Für die Römer waren Tirol und seine Pässe die beste Möglichkeit, von Süden nach Norden zu gelangen, während die Bayern Ende des 6. Jahrhunderts nach Christus genau den entgegengesetzten Weg einschlugen – sie zogen über den Brenner in den Süden. Zwischen Nord- und Süd- oder Osttirol wurde da noch lange nicht unterschieden und die, die sich entlang des Inn oder in den Tiroler Tälern niederließen, mussten sich mit immer neuen "Herrschaften" abfinden. Die Grafen von Tirol, die dem Land den Namen gaben, hinterließen nach ihrem Aussterben Mitte des 13. Jahrhunderts ein durchaus eigenständiges Gebiet, das nicht nur aufgrund seiner großen Entfernung zum Regentensitz in Wien gewisse Freiheiten genoss – und diese auch verteidigte. Vor allem gegen die Bayern, aber auch die Franzosen und Italiener, sowie die Habsburgerkaiser selbst und den Adel, die wiederholt die rechtlichen Freiheiten der Tiroler einschränken wollten, mussten sich die Tiroler immer wieder zur Wehr setzen – was ihnen oft erfolgreich gelang, so etwa zwischen 1363 und 1368 gegen die Bayern, 1525/26 in den Bauernkriegen unter der Führung von Michael Gaismair unter anderem gegen die steuerlichen Forderungen von Adel und Kirche, 1703 wieder gegen die Bayern, zwischen 1796 und 1799 gegen die Franzosen, 1809 gegen Bayern und Franzosen, 1848/49 gegen die Italiener oder 1866 erneut gegen die Italiener.

Urkundlich:
das Landlibell

Tirol hatte, wie schon erwähnt, stets bestimmte Sonderrechte in Sachen Landesverwaltung - bereits 1490 gab es eine voll ausgebildete landständische Verfassung und 1511 legte das Landlibell, eine Urkunde von Kaiser Maximilian I., fest, dass die Tiroler zur Verteidigung des Landes zwar Kriegsdienste zu leisten hatten, aber nur mit Zustimmung der Landstände für einen Krieg, für den Tirol Angriffsbasis war, eingezogen werden konnten. Das Landlibell bildete einen Teil der Tiroler Landesverfassung und regelte somit die Ausgestaltung des Militärwesens. Der Inhalt der Urkunde galt bis 1918 – mit einer Unterbrechung im Jahr 1809. Denn was weder Maria Theresia noch ihr Sohn Joseph II. trotz all ihrer Beschneidungen der Kompetenzen und Zuständigkeiten der Tiroler Behörden anzugreifen wagten, war den Bayern, die Kriegsverbündete der Franzosen waren, nicht zu heiß: Im Zuge der Napoleonischen Kriege musste Österreich 1805 im Frieden zu Preßburg Tirol und Vorarlberg an Bayern abtreten, und mit dem bayerischen Besitzergreifungspatent vom 22. Jänner 1806 nahm das Unheil seinen Lauf. Denn obwohl der Bayernkönig Max I. Joseph durchaus bereit war, die Sympathie der Tiroler mittels vertrauensbildender Maßnahmen zu gewinnen, indem er etwa die Unantastbarkeit der Landesverfassung und die bisherige Sonderstellung des Landes bestätigte – inklusive des Landlibells -, erhöhte er doch sofort die Steuern beträchtlich, was angesichts einer gerade herrschenden Wirtschaftsflaute heftigen Protest bei den Tirolern auslöste. Der unverhohlen geäußerte Unmut wiederum spielte dem leitenden bayerischen Minister Graf Maximilian von Montgelas in die Hände, der von Anfang an gegen den "Anbiederungskurs" seines Königs gewesen war und nun für härteres Vorgehen gegen Tirol plädierte.