"Single track" warnt das Verkehrsschild. Danach geht es schnurgerade dahin, ohne jede Biegung. Einspurig allerdings. In den schottischen Highlands ist das von Vorteil, denn der dort übliche Linksverkehr findet somit nicht statt. Gegenverkehr gibt es so gut wie keinen, und falls doch, findet man genügend Stellen zum Ausweichen. Der Landstrich zwischen Ullapool an der Westküste Schottlands und dem 75 Kilometer entfernten Bonar Bridge im Osten scheint menschenleer, die Auto-Dichte geht gegen Null.

Rechts und links der winzigen Straße rollen grüne Hügel sanft dahin, so weit das Auge reicht Natur pur und blitzblau glitzernde Seen. Auf den endlosen Weiden grasen dralle Schafe und zottelige Hochland-Rinder. Der Himmel ist weit und klar, die Wolken ziehen schnell, das Licht ist golden – eine einsame Bilderbuch-Landschaft. Auch wenn sonst in Schottland der Linksverkehr mitunter mühsam ist (vor allem in Kreisverkehren), hier ist der Fahrspaß groß.

Über Inverness, der nördlichsten "City" des Vereinigten Königsreiches, entlang River Ness und Loch Dochfour, erreichen wir den sagenumwobenen, zweitgrößten See Schottlands: Loch Ness. In Drumnadrochit wartet das offizielle Loch Ness Centre samt Ausstellung (www.lochness.com). In einer kurzweiligen Multimedia-Installation (für jeden in seiner Sprache) werden überraschend neutral alle Fakten, Fälschungen, Mythen und Legenden rund um das berühmteste Ungeheuer der Welt präsentiert. Über viele Jahrhunderte (erste Erwähnung 565) bemühten sich Experten aller Fachrichtungen, Beweise pro und contra der tatsächlichen Existenz von "Nessie" zu erbringen. Resultat wird keines präsentiert, der Besucher muss sich selber ein Bild machen. Im angeschlossenen Souvenirshop gibt’s Nessie-Mitbringsel aller Art, Preis- und Kitschkategorien.

Sagenumwobene Highlands
Eine Schottland-Reise ist stets mit Mythen, Sagen, Spuk und Geistern verbunden. Ganz besonders in den schottischen Highlands, wie der allernördlichste Teil der britischen Insel heißt. Die unberührten Hügelketten und einsamen, nebelverhangenen Moore sind voller Geheimnisse. Die Rätsel der frühgeschichtlichen Steinkreise und Dolmen sind bis heute ungelöst. Die (blutige) Geschichte Schottlands ist ein fruchtbarer Boden für Gruselgeschichten. Theodor Fontane meinte: "In der Tat, ich möchte den sehen, der nach Inverness reiten kann, ohne Gespenstern begegnet zu sein. Meilenweit kein Baum, kein Strauch; nichts hörbar als das Rauschen des Wassers und der Hufschlag des Pferdes. Auf solch einem Ritt sieht man die Hexen Macbeths um eine Bergwand biegen."