So mancher, der das fiktive Adelspaar Lord und Lady Grantham via Fernsehen in ihrem Alltagsleben im luxuriösen Herrschaftshaus Downton Abbey (das in Wahrheit Highclere Castle heißt und vom Earl und der Countess Carnarvon bewohnt wird) begleitet hat, hat sich vielleicht gewünscht, auch mit einem silbernen Löffel im Mund geboren worden zu sein. Doch das feine Leben, das sich für den Betrachter hauptsächlich um Müßiggang, elegante Repräsentationspflichten und das Schließen standesgemäßer Ehen zu drehen scheint, hat auch unangenehme und dunkle Seiten.

Über einige kann man in James Reginatos Buch "Great Houses, Modern Aristocrats" (2016) lesen: Der Journalist erhielt im Rahmen seiner Reportagen über Herrenhäuser und ihre adeligen Besitzer Einblick in das Leben diverser Herzöge, Grafen oder Barone, was sie mit ihren Anwesen, die sich zum Teil über Jahrhunderte in Familienbesitz befinden, verbindet, und welche Geschichten sich um die Familien ranken. Mord, Drogen, Affären, Scheidungen und andere Kalamitäten sind da weniger die Ausnahme denn die Regel. Ist ja auch nachvollziehbar, denn trotz Titel und Reichtum sind auch die Adeligen nur Menschen; was eher überrascht ist die Offenheit, mit der heute darüber gesprochen wird…

Teures Wohnen
Was in Reginatos Bildband deutlich herauskommt, ist der immense finanzielle Aufwand, der nötig ist, um die riesigen Anwesen, die teilweise aus dem Mittelalter stammen, zu erhalten. Die Aufbringung der benötigten Summen lässt sich heutzutage oft nicht mehr allein aus der Bewirtschaftung der Ländereien (der Begriff Landadel leitet sich ja aus dem mittelalterlichen System der Belehnung der Adeligen mit Land und der damit verbundenen Begründung ihrer Vermögen durch Verpachtung ab) bewerkstelligen und so haben viele ihre Anwesen zum Teil Besuchern geöffnet. Die können nach Bezahlung eines angemessenen (gelegentlich auch unverschämt hohen) Eintritts zu bestimmten Zeiten durch die herrschaftlichen Hallen und Gärten wandern und sich fragen, was man mit 100 Schlafzimmern wohl anfangen könnte. Aber auch Autorennen (so wie etwa auf Goodwood House, das Charles Gordon-Lennox, 11. Duke of Richmond, gehört), Golf- und Reitturniere oder ähnliche elitäre Unterhaltungen werden geboten, bei den Carnavons auf Highclere Castle kann man sich etwa auch im Stil von Downton Abbey verkleiden und den Fünf-Uhr-Tee bei Schönwetter stilvoll auf dem gepflegten Rasen genießen. Dass aber auch so manche Kunstsammlung und Möblierung den Weg aus den Herrschaftshäusern nahm, um durch ihren Verkauf das Loch im Dach zu stopfen, wird nur sehr verschämt zugegeben.