Die WienWein-Winzer (v.l.n.r.): Rainer Christ, Thomas Podsednik (Weingut Wien Cobenzl), Fritz Wieninger, Gerhard J. Lobner (Weingut Mayer am Pfarrplatz) und Michael Edlmoser. - © Herbert Lehmann
Die WienWein-Winzer (v.l.n.r.): Rainer Christ, Thomas Podsednik (Weingut Wien Cobenzl), Fritz Wieninger, Gerhard J. Lobner (Weingut Mayer am Pfarrplatz) und Michael Edlmoser. - © Herbert Lehmann

Seit der Gründung von WienWein im Frühling 2006 hat sich in der Wiener Weinwelt einiges geändert. Und zwar zum Guten. Noch wenige Jahre vor diesem Gründungsdatum hatten die Burgenländer und Niederösterreicher die Nase ganz weit vorn. Wenn damals vom Wiener Wein die Rede gewesen ist, dachte man an Heurigenseligkeit in Grinzig, Stammersdorf und Neustift am Walde, die aber in erster Linie mit rustikalen Gewächsen und Schweinsstelzen konnotiert wurde.

Nur ganz wenige Wiener Weingüter hatten sich zu jener Zeit schon mit qualitativ hoch stehenden Rebensäften einen Namen gemacht. Die führenden Wiener Winzer waren damals Rainer Christ (Jedlersdorf), Michael Edlmoser (Mauer), Fritz Wieninger (Stammerdorf) und Richard Zahel (Mauer). Eben diese Akteure gründeten die WienWein-Gruppe. Mittlerweile ist die Gruppe auf fünf Mitglieder angewachsen. 2011 verließ Richard Zahel die Vereinigung, wohingegen das erstarkte Weingut Wien Cobenzl (das Weingut der Stadt Wien) sowie das Weingut Mayer am Pfarrplatz (Döbling) hinzugekommen sind.

Durch ihre gemeinsamen öffentlichen Auftritte gelang es den WienWein-Winzern, ein allgemeines Interesse am Wiener Wein zu wecken, wie man es bis dahin nicht für möglich gehalten hatte. Die beim Publikum aufkommende Euphorie für Wiener Weine hatte zur Folge, dass auch andere Wiener Weingüter ihr Niveau erheblich verbesserten und verstärkt wahrgenommen wurden. Der Wiener Wein erlebte auf einmal einen Boom, wie es ihn seit Kaisers Zeiten nicht mehr gegeben hatte.

An dieser Stelle sei ein kurzer historischer Rückblick gestattet: In der Habsburgermonarchie hatte der Wiener Wein ein nicht geringes Ansehen. Aus einem im Jahr 1582 erschienenen "Weinbuch" erfahren wir, dass das Wiener Weingebirge als "das herrlichste, mächtigste, trächtigste und größte Weingebirg in Oesterreich" angesehen wurde. Dieselbe Reputation kam dem Wiener Wein auch noch am Ausgang der Habsburgermonarchie zu.

Gerhard J. Lobner (Mayer am Pfarrplatz) schenkt ein. - © Martina Lex
Gerhard J. Lobner (Mayer am Pfarrplatz) schenkt ein. - © Martina Lex

Die Weingärten wurden zu Kaisers Zeiten vielfach nicht reinsortig, sondern als kunterbunter Sortenmix angelegt. Der aus solchen Weingärten gekelterte Wein wird als "Gemischter Satz" bezeichnet.

Das jahrhundertelange Festhalten der Winzer am Gemischten Satz hatte einen speziellen Grund: Früher waren die Weinhauer den Launen der Natur viel stärker ausgeliefert als dies heute der Fall ist. Um den klimabedingten Widrigkeiten ein Schnippchen zu schlagen, pflanzten sie in ihren Weingärten einen breit gefächerten Sortenmix aus. Beim reinsortigen Auspflanzen wären die Rebstöcke unter Umständen in bestimmten Jahren allzu stark gefährdet gewesen, und dies hätte sehr leicht zu Missernten führen können. Durch eine Vielzahl von früh und spät reifenden Sorten konnte hingegen garantiert werden, dass zumindest eine gewisse Anzahl von Sorten passable Bedingungen vorfinden würde. Wenn die Witterung bei ein, zwei oder drei Sorten zu einem bestimmten Zeitpunkt die Blüte vernichtete, dann durfte man immer noch darauf hoffen, dass die übrigen im Weingarten befindlichen Sorten einen guten Ertrag erbringen würden – was sehr häufig der Fall gewesen ist. Insofern stellte der Gemischte Satz in gewisser Weise eine frühe Form der bäuerlichen Sozialversicherung dar.