Bei den zu "Leinwandstars" gewordenen drei Felsnadeln "Totem pole" zeigt der indianische Fahrer auf den ehemaligen Regieplatz von John Ford. Apachen, wie sie der Hollywoodmeister in seinen Filmen zeigt, seien hier nie zuhause gewesen. Der Regisseur habe das Volk von Geronimo nur wegen seiner kriegerischen Vergangenheit in Szene gesetzt. Dann überrascht der Sprachenstudent und Nachfahre eines Stammeshäuptlings mit seiner profunden Kenntnis deutschsprachiger Abenteuerlektüre. Karl Mays Winnetou und Old Shatterhand seien zwar nur Romanfiguren, zwischen dem Apachenhäuptling Cochise und dem weißen Posthalter Thomas Jeffords hätte es aber tatsächlich eine vergleichbare Blutsbrüderschaft gegeben. "Diese innige Freundschaft hat 1872 sehr geholfen, dass Weiße und Indianer aufeinander zugegangen sind", erzählt der Navajo und weiß zu berichten: "Cochise und Mr. Jeffords waren die Vorbilder für den deutschen Bookwriter."

Bei diesem (nachgestellten) Banküberfall fliegen weder echte Kugeln noch fließt echtes Blut. - © Manfred Lädtke
Bei diesem (nachgestellten) Banküberfall fliegen weder echte Kugeln noch fließt echtes Blut. - © Manfred Lädtke

Weiter geht die Western-Tour zu einsamen Hogans (Navajohütten) und zu wasserpolierten Höhlen mit geheimnisvollen Wandzeichen. Vor der Windschutzscheibe zoomen sich Felskolosse wie Geisterschiffe heran und bleiben im Rückspiegel als erstarrte Fabelwesen zurück. Nur Staubwolken versperren von Zeit zu Zeit den Blick auf den "Wilden Westen".

In Phoenix ist Gelegenheit, mit einem Heißluftballon aus der Abenteuerwelt zurück in die Gegenwart zu gleiten. Gemächlich schwebt der Ballon der aufgehenden Sonne entgegen. Und während der Blick über weites Land schweift, holen Bilder von gestern das Hier und Heute schon wieder ein: Kakteen, wohin das Auge schaut.

Reiseinfo
Rundreise: Eine 15-tägige Mietwagenreise "Apache Trail" bietet der Reiseveranstalter Dertour ab/bis Phoenix für 759 Euro p.P. im DZ an. Beste Reisezeit: Frühjahr bis Herbst.

Tucson und Umgebung
Außer seinen Westerngeschichten und seiner faszinierenden Natur bietet die 100 Kilometer von Phoenix gelegene Millio-nenstadt Tucson (der Name geht auf das Gebiet der Tohono-O´Odham-Indianer zurück) zahlreiche Museen, Theater und Studentenkneipen (4th Street Downtown Tucson), Clubs und Bars (Stadtteil Foot-hills). Für einen längeren Aufenthalt lohnt der Tucson Attraction Pass für 15 US-Dollar.

Old Tucson Studios: 201 South Kinney Road, Tucson, AZ; Im Internet: www.oldtucson.com; Öffnungszeiten: Fr. bis So. 10 bis 17 Uhr.
Ein Veranstaltungsplan informiert über Führungen sowie über das Nachspielen von alten Filmszenen, Stunt-Einlagen und Saloon-Shows. Für Privat-Events rechtzeitig die aktuellen, saisonal bedingten Öffnungszeiten und Programme erfragen. Eintritt: Erwachsene zahlen 16,95, Kinder bis elf Jahren 10,95 US-Dollar.

Hotelbeispiele in unmittelbarer Nähe von Tucson:
Hilton Tucson, Airport Boulevard oder Ramada Limited Tucson West, 665 North Freeway.

Wüstenmuseum: Empfehlenswert ist auch ein Besuch im 28 Kilometer entfernten Arizona Desert Museum mit 300 Tierarten und 1200 verschiedenen Pflanzen. Im Internet www.desertmuseum.org

Tombstone liegt rund 80 Kilometer von Tucson entfernt. Während des Goldrauschs Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Wüstenort als Boomtown mit mehr als 14.000 Glücksrittern. Das Zentrum ist nahezu unverändert. Heute lebt die Wild-West-City von Touristen und den Legenden Wyatt Earp und Doc Holliday.

Literatur: Zum Einstimmen und Nachblättern: Bildband USA Südwesten, Stürtz Verlag, 24,95 Euro. Für unterwegs: USA – Der Südwesten, Dumont Reisehandbuch. Jeweils 24,95 Euro.

Printartikel erschienen am 6. September 2013 In: "Wiener Zeitung", Beilage "Wiener Journal", S 18-23