Wien. (jm) Wundinfektion, Lungenentzündung und Harnwegsinfektionen, das sind die am häufigsten auftretenden Infektionen, die sich Patienten nach einer
Operation im Spital zuziehen. 4,1 Millionen Menschen erkranken Studien zufolge in Europa jährlich an einer solchen Infektion, an 110.000 Todesfällen sind diese zumindest mitverantwortlich. Auf Österreich umgelegt sterben Schätzungen zufolge 2400 Menschen an "Krankenhauskeimen", fünfmal so viele wie im Straßenverkehr. Mehr als ein Drittel der Infektionen wären laut dem European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) vermeidbar - etwa durch bessere Hygiene. Das betrifft den Arzt und den Patienten gleichermaßen.

Einer am Mittwoch in Wien präsentierten Studie unter Chirurgen zufolge, können präventive Maßnahmen das Risiko einer Infektion nach einer Operation, etwa an der Hüfte oder am Herzen, drastisch senken.

Ein harmloser Keim wie der Staphylococcus aureus kann nach einer Operation also lebensgefährlich werden. Geschätzt trägt diesen bis zu ein Fünftel der Bevölkerung auf der Haut oder in der Nase, ohne dass sich Symptome zeigen. Dringt der Keim aber in den Körper ein, kann dieser großen Schaden anrichten.

Die präventive Vermeidung einer Wundinfektion gewinnt daher auch aufgrund steigender Antibiotikaresistenzen an Bedeutung, sagt der Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (ÖGKH), Ojan Assadian. Die Patienten-Dekontamination sei einer solcher Ansatz, der das Risiko der Wundinfektionen senken soll. Die Prävention betrifft aber nicht nur den Chirurgen, der seine Hände desinfizieren muss, sondern auch den Patienten. Dieser kann die Bakterienanzahl auf der Hautoberfläche erheblich reduzieren, wenn er sich drei bis fünf Tage vor einer Operation mit vom Arzt vermittelten Produkten duscht und die Nase reinigt.

Allerdings trägt die Krankenkasse die Kosten für diese präventiven Maßnahmen nicht, sagt Assadian. Und im niedergelassenen Bereich gebe es keine Beratung, wie mit einem Keimbefall vor einer Operation umzugehen sei.

Einrichtung zahlt Prävention


Bei der präsentierten Studie, an der 158 Chirurgen teilnahmen,
gaben 92 Prozent an, dass deren Spital die die Dekolonisationsmaßnahme anbietet, die Kosten übernimmt. Die Mehrheit ist von der Maßnahme überzeugt, mehr als die Hälfte der Befragten hält sich für ausreichend informiert.