Österreich-weit/Liezen. Besseres Wetter am Freitag machte in der Obersteiermark den Beginn umfangreicher Flüge von Heeres- und Polizeihelikoptern möglich, wie die Landeswarnzentrale der APA mitteilte. Gestartet wurde mit einer Evakuierung, einem Flug zum Befüllen einer Lawinensprenganlage und Erkundungen. Das Heer startete zu Mittag die Abholung von rund 200 Menschen aus Hohentauern per Lkw über einen geräumten Forstweg.

Die Schneewolken waren am Freitagvormittag weitestgehend einem bewölkten bis sonnigen Himmel gewichen, die Abarbeitung von über 30 Aufträgen an die Helikopter konnte beginnen. Von Fliegerhorst Aigen im Ennstal aus starteten zum Auftakt drei Maschinen: Eine Alouette III holte einen eingeschlossenen Förster vom Stoderzinken-Plateau, die Besatzung einer weiteren Alouette versuchte eine Sprenganlage am Loser im Ausseerland mit Explosivstoff zu befüllen. Auf dem 1.837 Meter hohen Bergstock liegen mittlerweile bis zu fünf Meter Schnee. Eine in Aigen stationierte AB-212 räumte mit ihrem Rotorabwind ("Downwash") Bäume entlang der Buchauer bzw. Gesäuse Straße (B117 und B146) vom Schnee frei, um Schneebruch zu verhindern und eine Räumung und Freigabe der gesperrten Straßen zu ermöglichen.

Erkundungsflüge

Von den vier für die Steiermark zur Verfügung stehenden Hubschraubern des Innenministeriums führte die Maschine aus Graz einen Erkundungsflug im Raum Vordernberg an der gesperrten Präbichlstraße durch. Der Helikopter aus Klagenfurt hatte am Vormittag noch einen Auftrag in Kärnten zu erledigen, dann machte er sich zu einem Erkundungsflug im Raum des obersteirischen Liezen auf den Weg. Die Salzburger Polizeimaschine war vorerst ebenfalls noch im Heimatbundesland selbst engagiert, wie die Landeswarnzentrale mitteilte. Der im obersteirischen Mürzzuschlag befindliche Helikopter aus Wiener Neustadt (NÖ) wartete auf Flugwetter, in diesem Bereich und in Mariazell schneite es am Vormittag noch.

Laut Landeswarnzentrale waren am Freitag in der Früh in der Obersteiermark noch rund 2.250 Menschen in über einem Dutzend Ortschaften schwer erreichbar oder abgeschnitten. Für 11.00 Uhr plante das Bundesheer eine Evakuierung von rund 200 Personen - hauptsächlich Urlauber, aber auch Einheimische - aus Hohentauern per Lkw. "Mit fünf geländegängigen Unimog 4000 wollen wir die Menschen transportieren, drei weitere Unimog stehen für das Gepäck zur Verfügung", sagte Oberst Christian Fiedler zur APA. Angehörige des Maschinenrings, Feuerwehrleute und Soldaten hatten einen Forstweg nach Hohentauern freigeräumt. Pro einstündiger Fahrt hin und retour sollten rund 80 Menschen geholt werden, sagte Fiedler. Man rechne, die Aktion in bis zu drei Stunden bis gegen 14.00 Uhr abgeschlossen zu haben, wenn alles planmäßig ablaufe. Das Wetter spielte laut Fiedler mit: "Es ist windig und kalt, aber teilweise sonnig", sagte der Oberst.

Bei den Schneelasten gibt es laut Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer (SPÖ) noch Luft nach oben: Die Messungen vom Donnerstag hätten gezeigt, dass von Altaussee über Grundlsee, Mariazell und Wald am Schoberpass überall sogar samt den noch prognostizierten Schneefällen der kommenden Tage keine Gefahr bei den Dächern bestehen dürften. Voraussetzung sei, dass sie nach Ö-Norm gebaut wurden, denn die gilt als Richtwert für die Messung.

Stromleitungen durchtrennt

In Altaussee werden samt der Prognose von zusätzlichen 100 Zentimetern gut 350 Kilogramm pro Quadratmeter und damit kaum 50 Prozent der dort maximalen Dachlast erreicht. Ähnliches gilt für Grundlsee und Mariazell, wo laut ZAMG 300 bzw. etwa 250 Kilogramm pro Quadratmeter errechnet wurden. In Melling in Wald am Schoberpass dürften samt der noch vorhergesagten 60 Zentimeter Neuschnee rund 300 Kilogramm pro Quadratmeter zusammenkommen. Damit werden in dieser Region etwa 75 Prozent der maximalen Dachlast erreicht, ging am Freitag aus Unterlagen der ZAMG hervor.

Wie die Energie Steiermark mitteilte hat eine ganze Baumgruppe am Donnerstagnachmittag für einen schweren Schaden an einer 110-kV-Leitung ins Ennstal gesorgt. Ein Gittermast der zentralen Versorgungsinfrastruktur wurde umgerissen, zumindest zwei Leitungen wurden durchtrennt. Eine Alternativ-Versorgung über das Umspannwerk Weißenbach bei Liezen wurde aktiviert. Dadurch kam es bisher zu keinen Stromausfällen. Die Reparatur des Schadens werde laut Konzernsprecher Urs Harnik-Lauris mehrere Tage in Anspruch nehmen.