Graz/Wien. Angesichts der aktuellen Masern-Erkrankungen hat der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK), Thomas Szekeres, Patienten und Ärzte dazu aufgerufen, "regelmäßig ihren Impfstatus kontrollieren und auftretende Impflücken umgehend schließen". Aus der Sicht der SPÖ brauche es eine Aufklärungsoffensive, die unter anderem eine verpflichtende Impfberatung im Mutter-Kind-Pass beinhalten solle.

Eine Lösung liege nicht in einer generellen Impfpflicht, sondern ärztliche Aufklärung und rationale Beratung sollten im Vordergrund stehen. Damit sollte man dem WHO-Ziel von 95 Prozent Durchimpfungsrate bei Masern endlich wieder näher kommen, hieß es in einer Aussendung der ÖAK. "Es ist bedenklich, dass immer mehr Menschen aus Nachlässigkeit oder gar bewusst auf den Gesundheitsschutz durch Impfungen verzichten", stellte Alexander Herzog fest, Generalsekretär der Interessenvertretung der österreichischen Pharmaindustrie (Pharmig). Die zunehmende Skepsis gegenüber Impfungen sei alarmierend.

Herdenschutz durch hohe Impfquote

"Wenn die Impfquote in der Bevölkerung hoch genug ist, schützen wir auch jene, die ohne Schutz sind, weil sie nicht geimpft werden können, wie z.B. Babys", sagte die SPÖ-Parteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner. Um den Zugang zu Impfungen zu erleichtern, solle es die Möglichkeit geben, dass sich die Menschen auch in der Apotheke impfen lassen. Das Impfen in Schulen solle ebenfalls forciert werden.

Rendi-Wagner erinnerte auch an die Vorteile des elektronischen Impfpass, der auch mit einer Erinnerungsfunktion ausgestattet sein soll, damit Auffrischungen nicht mehr vergessen werden können. Dieser virtuelle Impfpass wird ab 2020 in Wien, Niederösterreich und der Steiermark eingeführt. Der Vollbetrieb im gesamten Bundesgebiet ist für 2021 anvisiert.

Der ÖÄK-Präsident kann sich vorstellen, Impfungen an die Auszahlung von Sozialleistungen im Rahmen des Mutter-Kind-Passes zu knüpfen. Für Menschen in den Gesundheitsberufen und für pädagogisches Personal "sollte ein aufrechter Impfstatuts eine Selbstverständlichkeit sein", sagte Szekeres. Hier geht es um die Verpflichtung, schutzbedürftige Menschen nicht in Gefahr zu bringen."

Rudolf Schmitzberger, Leiter des Impfreferates der Österreichischen Ärztekammer, wünscht sich eine intensive Diskussion über den Nachweis eines aufrechten Impfschutzes bereits vor dem Eintritt in Einrichtungen wie Kindergärten, Schulen und Universitäten. In angelsächsischen Ländern sei dies bereits Standard und gestalte sich sehr erfolgreich.