- © M. Hirsch
- © M. Hirsch

Innsbruck. Eine Urlauberin aus Deutschland wurde im Sommer 2014 von einer Kuh zu Tode getrampelt. Sie war mit Familie und Hund an der Leine im Tiroler Pinnistal wandern. Das Landesgericht Innsbruck hat in erster Instanz ein aufsehenerregendes Urteil gefällt. Der Bauer wurde schuldig gesprochen. Der Landwirt hätte seine Tiere demnach nicht ausreichend verwahrt. Nun soll dieser an den Witwer und den Sohn der Verstorbenen 180.000 Euro sowie eine monatliche Rente von 1500 Euro zahlen. Der Gesamtwert beläuft sich auf 490.000 Euro. Das Urteil gegen den Bauern ist nicht rechtskräftig.

Vertreter aus Politik, Landwirtschaft, Tourismus und Alpenverein monieren allesamt, dass das Urteil zu hart sei und hoffen auf dessen Aufhebung. Der Bauernbund bezeichnet das Abzäunen aller Wege als "weltfremd", außerdem würden das und die Schadenersatzforderungen die Almbauern ruinieren. Das Urteil würde das Aus der Almen bedeuten. Viele Bauern überlegen bereits, in der kommenden Saison ihre Almen zu schließen und ein absolutes Betretungsverbot einzuführen.

Versicherung
bei Mountainbikern

- © apa/Barbara Gindl
- © apa/Barbara Gindl

Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sagte, dass das Urteil bei aller Tragik nicht nachvollziehbar sei. Der Zivilprozess nach der tödlichen Kuhattacke habe die Tiroler Landwirtschaft und weit darüber hinaus zu massiver Verunsicherung geführt.

Platter beruft daher am Mittwoch in Tirol einen Kuhgipfel ein und wird sich mit dortigen Vertretern der Landwirtschaftskammer, des Tourismus, des Alpenvereins und der Tirol Werbung beraten. Niemand, der nach bestem Wissen und Gewissen seine Tiere auf der Alm hält, soll Gefahr laufen, in seiner Existenz bedroht zu sein oder sich gezwungen sehen, das Vieh im Stall zu lassen oder Wege zu sperren, betonen Landeshauptmann Platter und sein Stellvertreter und Agrarreferent Josef Geisler. Deshalb führe an einer Versicherungslösung kein Weg vorbei. Man habe in Tirol bereits Erfahrung mit ähnlichen Versicherungen. Geisler verweist etwa auf die Haftpflichtversicherung des Landes für Sportfunktionäre. Versicherungslösungen gibt es auch für Wegehalter im Tiroler Mountainbikemodell oder für Mitglieder der Lawinenkommissionen.

Einrichtung
eines Notfallfonds

"Wenn die Versicherung aussteigt, plädiere ich für die Einrichtung eines Notfallfonds vonseiten der Landwirtschaftskammer", regte Georg Kaltschmid, Landesabgeordneter der Grünen, an. Der Fonds könne sich etwa aus einem Teil der Mitgliederbeiträge speisen, die die Landwirtschaftskammer einhebt und als eine Art Ersatz-Versicherung angesehen werden. So wäre kurzfristig die existenzielle Gefahr gebannt, und die allgemeine Verunsicherung würde sich wieder etwas legen.