Wien. Das Fenster zwischen Faschingsdienstag und Osterfest ist klein - zumindest kalorienmäßig betrachtet. Nach Weihnachten zehrt man noch von den Völlereien unter dem Weihnachtsbaum, gleitet nahtlos in ein üppiges Silvester und tritt schließlich in die mit Krapfen gespickte Faschingszeit ein. Heute, am Aschermittwoch, ist für viele Schluss damit - bevor Ostern mit Eiern, Schinken und Striezel gefeiert wird.

Genau genommen sind es 40 Tage, die bleiben, um Fett, Zucker und Alkohol zu verbannen - zumindest, wenn man sich am Neuen Testament orientiert: Die Fastenzeit soll an die 40 Tage erinnern, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbrachte und dabei den Versuchungen des Teufels widerstand.

"Nur noch rund ein Drittel hat den Abnehmaspekt im Kopf"

Wenn auch nicht unbedingt aus religiösen Gründen, so investieren doch immer mehr Menschen diese und in diese Zeit, um Körper und Geist bewusst und oftmals begleitet von einem Experten zu reinigen, sagt Heilpraktiker René Gräber. Der Frühling, genauso wie der Herbst, eigneten sich generell gut zum Fasten, aber auch die restliche Zeit werde immer öfter dafür genutzt, sagt Gräber zur "Wiener Zeitung". Fasten werde zunehmend zum Lifestyle-Trend - den heilenden Verzicht in einer Zeit des Überflusses vor Augen. "Wir sind überfressen", so Gräber. "Es ist auf jeden Fall modern, weniger zu essen."

Vor mehr als 20 Jahren sei noch der Hauptgrund fürs Fasten für 50 Prozent gewesen, Gewicht zu verlieren. Bei einem weiteren Viertel schwang dieser Gedanke mit. "Der Rest tat es aus gesundheitlichen Gründen", so Gräber. Heute habe sich die Situation gedreht. Nur noch rund ein Drittel habe den Abnehmaspekt im Kopf. Für die Mehrheit stünden die Gesundheit, das Entgiften im Vordergrund. Und: Ein wachsender Anteil faste (rund zehn Prozent), um auf eine transzendentale Ebene zu gelangen, sagt Gräber.

Denn durch die Veränderung des Stoffwechsels in dieser Zeit werden auch die Sinne geschärft. Man werde achtsamer, mitunter emotionaler, ungeschützt, ergänzt die Wiener Ernährungsmedizinerin Sonja Schwinger. Der Panzer, den man sich angegessen hat, bröckelt ab. Oder anders gesagt: "Wer auf körperlicher Ebene fastet, baut auch psychischen Ballast ab." Zudem fühle man sich glücklich, weil dabei vermehrt Serotonin ausgeschüttet wird, mitunter euphorisiert. Serotonin wird auch Glückshormon genannt.