Betrieben wird das "Haus der Heimat" in Wien-Landstraße, wo erst im November der deutsche Republikaner-Chef Franz Schönhuber gesprochen hatte, vom Verband der Volksdeutschen Landsmannschaften (VLÖ). Letzterer ist Nutznießer der Einigung zwischen Landeshauptleuten und Bundesregierung über Zahlungen an Heimatvertriebene. Mit 7,2 Mill. Euro (4. Mill. vom Bund, Rest von den Ländern) soll ein Fonds u. a. für den VLÖ als Vertretung der Sudetendeutschen eingerichtet werden.

Am 20. September 2002 wurde das Gesetz zur Errichtung des Fonds im Paket zusammen mit Hochwasserhilfe und anderen Gesetzen - auch mit den Stimmen der Grünen - im Nationalrat beschlossen. Wien sicherte 645.000 Euro aus dem Kulturbudget zu, die am 28. November 2002 vom Gemeinderatsausschuss für Kultur beschlossen wurden. Die endgültige Entscheidung hätte in der heutigen Gemeinderatssitzung fallen sollen - Häupl entfernte aber die strittige Entscheidung im letzten Moment von der Tagesordnung. Laut Saskia Schwaiger aus dem Büro des Kulturstadtrats wird die Entscheidung derzeit noch einmal geprüft. Es werde Rücksprache mit anderen Ländern gehalten, gegebenenfalls könnte es Auflagen geben, mutmaßt Schwaiger: "Zeitplan, wie lang die Entscheidung aufgeschoben wird, gibt es aber keinen". Aus dem Büro Häupl war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu bekommen.

"Jetzt ist es ihnen peinlich"

Marie Ringler von den Wiener Grünen erklärt sich den Rückzieher der SP so: "Jetzt ist es ihnen peinlich. Zu Recht." Die dringliche Anfrage der Grünen komme trotzdem, denn "die Sache kann in jeder beliebigen Gemeinderatssitzung doch noch beschlossen werden". Es sei "völlig klar, um was für einen Ort es sich beim Haus der Heimat handelt". Dass Franz Schönhuber am 18. November 2002 Gelegenheit geboten worden sei, die Waffen-SS als "militärische Elite, die politisch verheizt worden sei" zu bezeichnen, spreche für sich. Die Unterstützung eines solchen Orts sei eine politische "Bankrotterklärung". Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes (DÖW) verzeichnet akribisch die zahlreichen Auftritte bekannter Rechtsextremer, die bei Klubabenden des "Neuen Klubs" im "Haus der Heimat" seit 1997 aufgetreten sind.

"Darüber sind wir sehr unglücklich", sagt Peter Wassertheurer, Pressesprecher des VLÖ, zur "Wiener Zeitung". Deswegen habe man nun auch die Notbremse gezogen. Künftig werde man aber Einsicht in die Rednerlisten nehmen und "solche Leute nicht mehr auftreten lassen". In der Sache selbst versteht Wassertheurer die Aufregung nicht: "Es geht darum, Altösterreichern die verloren gegangenen Geldbeträge auf ihren anonymen Sparkonten zu ersetzen - das ist ein historisch bewiesener moralischer Anspruch."