Im folgenden kam es in Wien zu Vereinsgründungen von Feuerbestattungsbefürwortern und es etablierte sich sehr rasch eine fundamentale, vorwiegend gegen die christlich-soziale Weltanschauung gerichtete Bewegung, in deren propagandistischem Zentrum die Ökonomisierung des Todes stand. Die Gegner der Erdbestattung wiesen vor allem auf den Verbrauch kostbaren städtischen Bodens, auf die Dogmen der öffentlichen Gesundheitslehre sowie auf die unnötigen Kosten der herkömmlichen Bestattungsform hin.

Getragen wurde diese Bewegung, wie auch andernorts, in erster Linie von der Arbeiterschaft. Schon im Jahr 1885 war in Wien von den "Freunden der Feuerbestattung" der Verein "Die Flamme" gegründet worden, der ab 1922 als reiner Arbeiter-Feuerbestattungsverein weitergeführt wurde. Im Mai des selben Jahres erfolgte auf den Gründen des Simmeringer "Neugebäudes" der Spatenstich für das von Clemens Holzmeister geplante Krematorium, das am 17. Dezember 1922 feierlich eröffnet wurde.

Obwohl der zuständige Bundesminister dem Bürgermeister einen Tag vor der Eröffnung des Gebäudes mittels Weisung die Inbetriebnahme der Feuerhalle untersagt hatte, fand am 17. Jänner 1923 die erste Einäscherung statt. In weiterer Folge kam es zwei Mal zu einer Beschwerde der betont katholischen Bundesregierung beim Verfassungsgerichtshof, die jedoch beide Male abgewiesen wurde. Während in Österreich staatlicherseits am 15. Mai 1934 die Feuerbestattung der Erdbestattung gleichgestellt wurde, berief sich die Kirche weiterhin auf die Entscheidung des Heiligen Offiziums aus dem Jahr 1886. Dieses hatte sich gegen das Verbrennen von Leichen ausgesprochen und jenen Sterbenden, die ihren Willen bekundet hatten, sich verbrennen zu lassen, die heiligen Sakramente, und in weiterer Folge auch das kirchliche Begräbnis, verweigert. Erst in den 60er-Jahren kam es im Vatikan zu einem Gesinnungswandel. Am 24. Oktober 1964 erteilte Rom schließlich offiziell die Zustimmung zur Leichenverbrennung und im Jahr darauf wurden von der Erzdiözese Wien jene Vorschriften bekanntgegeben, die bei einer Einsegnung anlässlich einer Feuerbestattung zu beachten waren.

In den Jahren 1967 bis 1969 erfolgte nach Plänen von Professor Clemens Holzmeister die Erweiterung und ein Umbau des Krematoriums Simmering. Während die Einäscherungsöfen zunächst mit Koks und Gas betrieben worden waren, wurden diese in den Jahren 1984 bis 1986 durch elektrisch betriebene Apparaturen ersetzt.

Da der Leichnam jeweils gemeinsam mit dem Sarg verbrannt wird, haben die Techniker ein spezielles Verfahren entwickelt, bei dem die leichtere Asche des Holzes durch einen Luftzug in einen Kanal geblasen wird, während sich die Summe der Leichenasche unter dem Rost im Nachglühraum sammelt. Nach einer Verbrennungsdauer von zirka eineinhalb Stunden verbleiben vom Toten - je nach dessen Körpergewicht - ein bis zwei Kilogramm Asche.