Als BOKU-Exponent "wilderte" Welan naheliegender Weise ideologisch auch nachhaltig auf "grünem" Terrain, zumal er als Rektor einen ganz besonderen Stellenwert den Problemen der Umweltforschungs- und -bildungspolitik zumaß. Gemeinsam mit seinen Kollegen Helmuth Gatterbauer und Ruth-Elvira Groiss hatte er sich bereits in den 70er-Jahren in Forschung und Lehre dem "grünen Recht" zugewandt.

Ein großes Anliegen war dem passionierten Wiener seit jeher auch die Bewahrung des kulturellen Erbes, obgleich es ihm ebenso wichtig ist, Wien nicht nur als Kulturstadt, sondern – in gleichem Maße – auch als Wissenschaftsstadt zu etablieren, was seiner Meinung nach bislang von der Politik allzu sehr vernachlässigt wurde. Ebenso wie die kulturellen Errungenschaften in der Donaumetropole einen eigenen Menschenschlag mit "goldenem Wiener-Herz" hervorbrachten, müssten nach dem Willen des metaphern-erfinderischen Professors die fortgesetzten politischen Bemühungen um die Förderung der Forschung und Lehre einen Menschenschlag mit "goldenem Wiener-Hirn" generieren, wobei freilich keineswegs ausgeschlossen sei, dass in ein und demselben Wiener Organismus zwei goldene Organe ihren rechten Platz haben können.

In verfassungsrechtlicher Hinsicht gilt seine große denkerische Leidenschaft nach wie vor der Stellung des Österreichischen Bundespräsidenten. Wegen dieser Vorliebe wurden zeitweilig sogar ihm selbst Ambitionen auf das Amt des Staatsoberhauptes nachgesagt. Dazu meinte Welan schmunzelnd im "Wiener Zeitung"-Interview, er finde solche Mutmaßungen überaus amüsant, zumal er in der Vergangenheit mehrfach die Abschaffung dieses Amtes zur Diskussion gestellt habe. Heute sehe er die Angelegenheit jedoch - aufgrund der geänderten weltpolitischen Verhältnisse - wieder vollkommen anders. Das Amt des Bundespräsidenten sei nunmehr nicht allein deshalb notwendiger als je zuvor, weil dieser sich in den meisten Ländern der Erde als oberste Instanz neben dem Regierungschef durchgesetzt hat, sondern auch darum, weil die Menschen in einer Welt fortschreitender Ungewissheit eines ruhenden Poles an der Spitze des Staates bedürften.

Was seine weiteren Ziele betrifft, so möchte sich Welan, der wegen seiner wissenschaftlichen und internationalen Leistungen den Dr. h. c. der Pannon Tudomany Egyetem erhielt, auch in Hinkunft mit besonderer Intensität um die weltweite Zusammenarbeit seiner Universität mit anderen Spitzenuniversitäten im Rahmen eines "Grünen Verbundes" bemühen.

Print-Artikel erschienen in der
"Wiener Zeitung" am 13. Juni 2002, S. 12.