Zahlreiche Reaktionen hat unsere Berichterstattung zur Müllverbrennungsanlage (MVA) Flötzersteig ausgelöst. Wie berichtet, hatte Wiens Bürgermeister Michael Häupl verkündet, dass der umstrittene Müllofen entgegen ursprünglicher Planung weiter betrieben werden soll, stattdessen soll die in Simmering groß angelegte Ersatzlösung neben der EBS kleiner dimensioniert werden. Eine seit Jahrzehnten bestehende Bürgerinitative wehrt sich weiter gegen die Anlage am Flötzersteig. Nachstehend gekürzte Auszüge aus einigen Briefen unsererer Leser:

"Mein besonderer Dank gilt dem Aufzeigen der höchst zweifelhaften rechtlichen Situation im Artikel von Matthias G. Bernold. Welcher Private kann es sich leisten, ohne Bewilligung für den Betrieb ein Unternehmen über Jahre und Jahrzehnte zu führen?", schreibt G.M. Klinger, 1180 Wien. Er sei "der festen Überzeugung, dass schon aus juristischen Gründen diese Horroranlage geschlossen werden wird. Im übrigen liefert ihre Lage mitten im Wohngebiet neben dem Naherholungsziel Steinhofgründe, wegen der Nähe zum Wienerwald und last not least wegen der vier Krankenhäuser weitere höchst handfeste Argumente. Vor kurzem wurde im Wilhelminenspital auch noch eine neue Krebsstation sowie eine Entgiftungszentrale eingerichtet".

"Hochaktuell und schnell wie immer nimmt die ,Wiener Zeitung' zum politischen Desaster MVA Flötzersteig Stellung. Seit Jahrzehnten beteuern maßgebende Politiker, dass heute niemand mehr eine Verbrennungsanlage in den Westen Wiens stellen würde", schreibt Elisabeth Schmid, 1160 Wien. "Mit Umgehung gesetzlicher Bestimmungen wurde 1990/91 neu gebaut und noch dazu die Kapazität vergrößert! Heute, 10 Jahre danach, zerfällt diese Anlage neuerdings, soll aber entgegen früherer Ankündigungen weiterhin betrieben werden und Schadstoffe über Wien blasen. Soll eine dritte Generation Wiener gesundheitsschädliche Dämpfe einatmen?"

"Als einziges Blatt geht die ,Wiener Zeitung' auf die rechtlich unhaltbare Situation ein", schreiben auch Felix und Angela Redl (ohne Adresse), die sich als Eltern zweier Kinder und alte Flötzersteig-Gegner "outen", die schon 1992 im Austria Center ihre Rechte im Rahmen einer Behördenverhandlung geltend machten und "abgeschmettert" wurden.

Die Kritik von Carola Röhrich, 1160 Wien, richtet sich vor allem gegen die politische Vorgangsweise: "Herr Bürgermeister Häupl regiert völlig abgehoben und autoritär - wo eine Müllverbrennungsanlage hinkommt, welche geschlossen wird, welche Größe sie haben soll, welcher Staatskünstler den Auftrag zur Verniedlichung bekommt; er bestimmt alles, ohne den Wähler eines Blickes zu würdigen - fast wie der weiland Bürgermeister Lueger, um nicht zu sagen, wie der Kaiser von China!" Auch der "Bezirksvorsteher Brix von Simmering", wo laut Experten-Meinung die dritte MVA platziert werden soll, müsse aufpassen, "sonst steht demnächst vor seiner Nase eine Müllverbrennungsanlage, verziert womöglich mit einem weißen Häkelhäubchen aus Beton nach Art des DJ Ötzi, da Meister Hundertwasser ja verblichen ist und sein Kapperl bereits die Spittelau um unsere Steuermillionen krönt!"

"Nicht einmal jetzt, da durch den 40-jährigen Betrieb des Flötzersteiges Erde und Pflanzen nachweislich mit Dioxin und Schwermettal belastet werden, soll diese ,saubere' Anlage geschlossen werden? Für wie uninformiert halten Politiker die Bevölkerung?", empört sich Renate Senolz (?), Gablitz, die fürchtet, dasss der Wind "das Gilft kilometerweit, also auch zu uns" bläst.

Herr Peter Horn, 1140 Wien, hingegen ist unmittelbarer Anrainer. Er zieht einen größeren Bogen: "Müllverbrennung ist ein Riesengeschäft, Müllvermeidung ist ,out' - gehen Sie doch in die Supermärkte, nur noch Plastikflschen, keine Pfand- und Glasflaschen mehr. Die Rechnung bekommen wir präsentiert, mit steigenden Krebsraten und kranken Kindern samt Kassendefizit.

Bitte, sehr geehrte Damen und Herren der wirklich fabelhaften ,Wiener Zeitung', berichten Sie weiter wie bisher - ohne Boulevard, ohne Nackte, ohne Ablenkungsmanöver für die Masse."

Versprochen.