Wien. Sie heißen Sulmtaler, Altsteirer, Lohmann oder Rhodeländer. Ihr Job ist die Erzeugung eines nahrhaften Naturprodukts, von dem statistisch gesehen jeder Österreicher und jede Österreicherin im Jahr rund 240 Stück verzehrt. Die Rede ist von den 6,8 Millionen Legehennen, die in 2000 Betrieben rund 1,88 Milliarden Eier jährlich produzieren.

Der Ei-Verbrauch liegt in Österreich jedoch bei rund 2,1 Milliarden Eiern, was einem Selbstversorgungsgrad von knapp 90 Prozent entspricht. Der Rest wird importiert - was nicht nur rund um Ostern zu heftigen Diskussionen über den Einsatz von Eiern aus Legebatterien aus Ländern mit niedrigen Tierschutzstandards führt.

Zu wenige Eier für den Inlandsmarkt

- © Grafik: Moritz Ziegler
© Grafik: Moritz Ziegler

Es gebe in Österreich zu wenige Eier für die Weiterverarbeitung in Lebensmitteln und für die Gastronomie, daher der zusätzliche Import, sagt Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich. Derzeit seien es pro Jahr rund 450 Millionen Stück, die laut Statistik Austria 2018 zu 99,97 Prozent aus der EU eingeführt wurden - "und nicht aus der Ukraine", betont Koßdorf. Die Behauptung, Österreich importiere in großem Stil Käfigeier aus der Ukraine, sei nicht korrekt.

Ganz anders hört sich das bei Maria Pein, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Steiermark, an: "Eine Absurdität - obwohl in Österreich und der EU Käfigeier längst verboten sind, kommen sie massenweise versteckt auf unsere Teller und wir finden sie auch in Lebensmitteln mit Eianteil wie Nudeln, Kuchen, Keksen und Co. in den Supermärkten", monierte sie in der vergangenen Woche in einer Aussendung. "Anonyme Billigsteier", die überwiegend aus ausländischen Käfighaltungen stammen, würden in der Gastronomie, in Großküchen und Kantinen sowie in verarbeiteten Lebensmitteln landen. Die "Mega"-Käfighaltungen in Drittländern wie beispielsweise der Ukraine würden mit öffentlichen Geldern, unter anderem mit dem der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in Millionenhöhe finanziert, kritisierte Pein. Das sei ein Wettbewerbsnachteil für die heimischen Bauern.

Der Wiener Tierschutzverein (WTV) richtete am Mittwoch einen "Osterappell" an die Konsumenten und riet zu besonderer Vorsicht bei verarbeiteten Lebensmitteln. "Wenn nicht ausdrücklich ausgewiesen ist, dass Freilandeier verarbeitet wurden, dann ist so gut wie sicher, dass Käfigeier, meist aus riesigen Agrarfabriken aus Osteuropa, verarbeitet wurden", so WTV-Präsidentin Madeleine Petrovic. In Restaurants sollte man immer nachfragen, woher das Spiegelei am Spinat und die Eier auf den Eiernockerln stammen. Dann werde sich die Unsitte in Teilen der Großgastronomie, Billigware von gequälten Käfighühnern zu verwenden, rasch ändern.