Wien. Vor allem in Ostösterreich ist der Boden wegen akuten Regenmangels knochentrocken. Das sei nicht unbedenklich, weil die intensive Landwirtschaft ihn ohnehin schon stark in Mitleidenschaft gezogen hat, erklärte der Wiener Bodenforscher Walter Wenzel der APA. Mit Bewässerung sollte man vorsichtig sein, Starkregen wäre nun fatal und drei Tage sachter Regen wünschenswert, so der Experte.

Rund um Wien, in Teilen Niederösterreichs und dem Burgenland sei die Wasserbilanz schon von vornherein unausgeglichen, weil die Verdunstung im Jahresmittel oft die Niederschläge übersteigt, so Wenzel, der am Institut für Bodenforschung der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien arbeitet. Durch die vermutlich wegen des Klimawandels häufiger und länger auftretenden Trockenperioden würde die Situation dort verschärft.

Starkregen wäre kontraproduktiv

Vor allem im Osten sind Österreichs Böden extrem trocken. - © APAweb
Vor allem im Osten sind Österreichs Böden extrem trocken. - © APAweb

Bewässerung sei in moderatem Ausmaß sinnvoll. "Aber man sollte hier vorsichtig sein", sagte er: "Wenn sie lange und nicht ganz richtig gemacht wird, kann sie zu Versalzungsproblemen führen." Manche Böden im Osten Österreichs würden schon zur Versalzung neigen. Auch das Grundwasser könnte dadurch absinken, was die Probleme verschärfen würde. Nicht zuletzt verbrauche die Landwirtschaft ohnehin bereits sehr viel von der kostbaren Ressource Wasser.

"Was der Boden nun bräuchte, wäre rund drei Tage lang sachter Regen", so der Forscher. Starkregen wäre kontraproduktiv. Viele Böden liegen derzeit frei, weil zum Beispiel gerade Mais auf ihnen gesetzt wird. Vor allem in Hanglagen könnten heftige Regenfälle sie nun erodieren und abschwemmen.

Schlechte Bodenstruktur

Außerdem wären die Böden durch die intensive Landwirtschaft stark vorbelastet. Sie sind verdichtet und erodiert, wodurch sich bei Trockenheit leicht oberflächliche Schollen bilden, die das Wasser schnell abrinnen anstatt einsickern lassen. Verdichtete Böden können außerdem weniger Feuchtigkeit speichern als lockere Böden. Durch die Belastung hat sich ihre Struktur verschlechtert, was ebenfalls die Wasseraufnahmekapazität mindert. All das verschärfe die Wirkung von Trockenperioden, erklärte Wenzel.

Um diesen Problemen entgegenzuwirken, müsse man die Böden viel umweltfreundlicher bewirtschaften. "Dazu gibt es meiner Meinung nach nur einen Weg: eine Veränderung der Ernährungsgewohnheiten", sagte er. Konsumierten die Österreicher um die Hälfte weniger Fleisch und Milchprodukte, würden sie nicht nur gesünder leben, sondern man könnte auch bis zu einem Viertel der bewirtschafteten Bodenflächen einsparen.

 Größere Bodendiversität

"Das wäre ein unglaublicher Gewinn an Flexibilität, um mehr Raum für weniger intensive Landwirtschaft und größere Biodiversität zu ermöglichen", so der Experte. Die Treibhausgase könnten dadurch um 40 Prozent gesenkt werden, und es gäbe eine Reihe weiterer Vorteile, wie etwa, dass weniger Nitrate ins Grundwasser ausgewaschen werden.

"Auch Problemen wie dem Bienensterben und dem Verlust von Vogel-und Insektenarten könnten wir aus meiner Sicht eigentlich nur begegnen, indem wir die Bewirtschaftungsintensität zurücknehmen", sagte Wenzel. Dann könnte man außerdem die Flächen möglichst durchgehend begrünen, damit die Böden besser vor Erosion und Austrocknung geschützt sind.

 "Die nächste Dürrekatastrophe droht"

Laut Hagelversicherung hinterlässt die anhaltende Trockenheit bereits Spuren. Es gebe Anzeichen dafür, dass "die nächste Dürrekatastrophe" drohe, heißt es.