Wien. Bis zum heutigen Freitag sind heuer in Österreich bereits 76 Masern-Fälle gemeldet worden. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2018 waren es österreichweit insgesamt 77 Masern-Fallmeldungen gewesen, geht aus Daten der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) hervor. Betroffen waren 2019 alle Bundesländer außer dem Burgenland und Niederösterreich.

Mit Stand 26. April gab es die meisten Fälle mit 36 in der Steiermark, gefolgt von bereits 16 bestätigten Erkrankungen in Kärnten. 15 waren es in Salzburg, vier in Tirol, drei in Wien. In Vorarlberg und Oberösterreich gab es jeweils einen gemeldeten Fall.

 Vorarlberg setzt auf Aufklärung

Die Vorarlberger Landesregierung will angesichts der zunehmenden Impfskepsis vieler Eltern auf Information und Aufklärung setzen. In einem neuen Projekt des Arbeitskreises für Vorsorge- und Sozialmedizin (aks) werden neutrale Impfinformationen erarbeitet, die die Fragen und Sorgen der Eltern aufnehmen. "Es geht nicht ums Überreden, sondern ums Überzeugen", so Landesrat Christian Bernhard (ÖVP).

Infektionskrankheiten wie Masern, Keuchhusten oder Diphtherie, die häufig als Kinderkrankheiten verharmlost würden, seien auch in Österreich wieder auf dem Vormarsch. Noch seien die Durchimpfungsraten recht gut, aber gerade Zweit- und Wiederholungsimpfungen würden schlecht angenommen, erklärte Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher. Auf die oft auf Fehlinformationen aus dem Internet zurückzuführende Impfmüdigkeit und Verunsicherung der Eltern mit Zwang oder Angstmache zu reagieren, sei aber nicht zeitgemäß. In Vorarlberg will man daher einen anderen Weg gehen und den Eltern "auf Augenhöhe" begegnen.

Ein Drittel der Vorarlberger hätten bei Befragungen Schwierigkeiten bei der Beurteilung von Impfinformationen eingeräumt, berichtete Projektleiterin Kristin Ganahl vom aks. In den kommenden zwei Jahren sollen nun gemeinsam mit Müttern, Vätern und Universitäten interessensunabhängige Infomaterialien ausgearbeitet werden, die den Bedürfnissen der Eltern entsprechen. So sollen etwa im Juni Fragen zum Impfen in der Bevölkerung gesammelt werden.

Auch viele Erwachsene seien nicht ausreichend immunisiert, erinnerte Grabher. Zahlen über Auffrischungen gebe es nicht, die Defizite bei Erwachsenen dürften also noch größer sein, so seine Annahme. Bernhard setzte seine Hoffnungen hier auf die Einführung des elektronischen Impfpasses, der mit einem Recall-System der Vergesslichkeit der Patienten entgegentreten werde.