Bruck an der Leitha. (apa/dab) Mit einer Diversion endete am Montag am Bezirksgericht Bruck an der Leitha ein Strafverfahren für einen Soldaten. Er hatte ein Bundesheerboot gesteuert, das am 1. September 2018 auf der Donau bei Hainburg gekentert war, zwei Passagiere mussten reanimiert werden. Ihm sei "keine schwere Schuld" nachzuweisen, so die Richterin. Der Unteroffizier muss eine Geldstrafe von 3400 Euro und die Verfahrenskosten zahlen. Er wird aber nicht formell verurteilt, da kein Schuldspruch erfolgt.

Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hatte dem 33-jährigen Niederösterreicher fahrlässige Gemeingefährdung vorgeworfen. Er bekannte sich schuldig. Der Unfall hatte sich beim Girls’ Camp ereignet, dabei handelt es sich um ein Schnupperwochenende beim Bundesheer. Der Soldat sollte mit den Passagieren eine rund 20-minütige Fahrt in dem Arbeitsboot machen. Das Wasserfahrzeug war mit insgesamt 13 Personen - acht Teilnehmerinnen und fünf Soldaten - besetzt gewesen.

Zwei Passagiere mussten reanimiert werden

Der Mann habe die Heckwelle des Bootes, das vor ihm unterwegs war, spitzwinkelig überfahren, sagte Staatsanwalt Friedrich Köhl. Dadurch sei das Boot mit der Front in die Welle gekommen. Die richtige Reaktion wäre gewesen, Motorleistung wegzunehmen. "Das hat der Angeklagte nicht gemacht, sondern vielmehr die Motorleistung noch erhöht."

Die Passagiere stürzten ins Wasser, zwei Frauen im Alter von 18 und 22 Jahren gerieten unter das Boot. Die Teilnehmerinnen wurden erst nach 39 bzw. 45 Minuten befreit und mussten reanimiert werden. Sie wurden in Wiener Krankenhäuser geflogen, über ihren Gesundheitszustand gibt es auf Wunsch der Angehörigen keine Informationen.

Der Verteidiger sagte, sein Mandant habe "in einer Ausnahmesituation falsch reagiert". Solche Situationen würden in der Ausbildung nicht trainiert werden. Er sah "keine schwere Schuld" des Angeklagten.

Warum der Unfall passiert sei, "kann ich mir bis heute nicht erklären", sagte der 33-Jährige. "Ich bin es immer und immer wieder durchgegangen. Ich kann es mir nicht erklären." Er habe einen Fehler gemacht, weil er Gas wegnehmen habe müssen. "Es ist dann wahnsinnig schnell gegangen, das Boot ist gekippt."

"Verkettung unglücklicher
Umstände"

Nach dem Kentern habe er die Rettungsweste ausgezogen und sei unter das Boot getaucht, um Passagiere zu retten. "Wir haben zu diesem Zeitpunkt nicht gewusst, ob noch jemand drunter ist oder nicht." Dort sei es "schwarz" gewesen. Schließlich habe man eine Teilnehmerin ertastet, ihre Rettungsweste aufgestochen und die Frau in Sicherheit gebracht. Danach sei eine weitere Passagierin gefunden und befreit worden. Dann habe es irgendwann geheißen, "es sind alle da".

Der Sachverständige Hermann Steffan sprach von einer "Verkettung von unglücklichen Umständen", die zum Unfall geführt haben. Vorwerfen könne man dem 33-Jährigen, dass er nicht vom Gas gegangen sei.

Der Soldat hat laut Gutachter fünf bis sechs Sekunden Zeit gehabt, um den entsprechenden Hebel auf null zurückzunehmen. Weil er das nicht machte, seien mehrere hundert Liter Wasser pro Sekunde eingedrungen. Das Boot sei "sehr rasch" gekentert - nach sieben bis neun Sekunden, hielt Steffan fest.

Die Richterin erklärte, dass eine diversionelle Vorgehensweise geboten sei. Bei einer Gesamtschau seien das Geständnis, der bisher ordentliche Lebenswandel und der Rettungseinsatz des Mannes "unter Gefährdung seines eigenen Lebens" mildernd. Erschwerungsgrund gebe es keinen. Die Staatsanwaltschaft erhob keinen Einwand gegen die Diversion.

Die Folgen für die Betroffenen seien schwer und dramatisch, hielt die Richterin fest. Die Schadenersatzansprüche der Opfer seien Gegenstand eines Amtshaftungsverfahrens. Die Republik Österreich habe sämtliche bisher geltend gemachte Forderungen dem Grunde nach anerkannt.