Wien. Stöhnte man Mitte April noch unter der Trockenheit und fürchtete eine nächste Dürrekatastrophe, so bereitet das nasskalte Wetter der vergangenen Wochen nun ebenfalls mitunter Unbehagen - wenngleich es im Moment zumindest pünktlich mit den "Eisheiligen" zusammenfällt. Seit Samstag, dem 11. Mai, sorgen diese, einer alten Bauernregel folgend, für einen Kälteeinbruch im Mai. Erfahrene Gärtner warten daher für gewöhnlich Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie/Sophia ab, bevor sie mit der Aussaat beginnen.

Wintergetreide wird sich nicht mehr gänzlich erholen

Landwirte mussten indes schon im März mit der Aussaat ihrer Sommergetreidearten beginnen. Im April folgten Rüben und Mais. Dass es nach der frühzeitigen Wärmeperiode und der Trockenheit im April nun regnet, ist laut Josef Siffert von der Landwirtschaftskammer Österreich (LKO) ideal. "Es könnte ruhig noch mehr regnen", sagt er zur "Wiener Zeitung". Vor allem das nördliche Waldviertel sowie das Weinviertel seien bereits so ausgetrocknet, dass die aktuellen Niederschläge noch immer nicht für ausreichend Feuchtigkeit im Boden sorgten. Auch das Grünland für die Futtererzeugung hatte gelitten. Normalerweise gibt es laut Siffert in der ersten Maiwoche den ersten Schnitt. In einigen Bereichen konnte es aufgrund der Trockenheit, durch die das Wachstum stagnierte, bis heute nicht geschnitten werden.

Das Wintergetreide, das im Herbst gesät und im Sommer geerntet wird, "wird sich trotz Regen nicht mehr gänzlich erholen", ergänzt Andreas Pfaller, Referatsleiter "Pflanzliche Erzeugnisse" in der LKO. Vor allem der Winterweizen, Gerste und Roggen seien betroffen. Auch ein Teil der Zuckerrüben, konkret mehrere tausend Hektar, sei bereits gefressen worden: und zwar vom Rüsselkäfer, der bei Temperaturen von mehr als 18 Grad Celsius zu krabbeln anfängt.

Kälte und Nässe mögen Schädlinge nicht. Ein weiterer Grund, warum die derzeitige Wetterlage günstig für die Landwirtschaft ist. "Die Schädlinge fallen in eine Starre - eine Zeitspanne, in der die Pflanzen davonwachsen können", sagt Siffert. Die kühlen Temperaturen könnten höchstens für die Kürbisse problematisch werden, so Pfaller. Hält die kühle Periode an, "kann es sein, dass die Kürbiskerne im Boden verfaulen".