Michael Ramprecht belastet seinen Ex-Chef Grasser. - © apa/Schlager
Michael Ramprecht belastet seinen Ex-Chef Grasser. - © apa/Schlager

Wien. Er ist zwar im Gerichtssaal nicht mehr anwesend, dennoch dreht sich am Dienstag in der Buwog-Hauptverhandlung wieder alles um ihn: Michael Ramprecht. Der ehemalige Kabinettsmitarbeiter von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser erhebt schwere Vorwürfe gegen seinen früheren Chef: Die Buwog-Privatisierung soll eine "abgekartete Sache" gewesen sein, meint Ramprecht. Er gilt als einer der wichtigsten Belastungszeugen der Anklage.

Über die Glaubwürdigkeit Ramprechts sind sich die Ankläger und Verteidiger daher uneins. Um etwaige Widersprüche zu überprüfen und weitere Details zu erfahren, wurden am Dienstag nun Ramprechts Ehefrau und sein Bruder als Zeugen einvernommen. Die beiden arbeiteten beim Immobilienmakler Ernst Karl Plech. Er ist in der Causa Buwog ebenfalls angeklagt, aufgrund einer Krankheit aber verhandlungsunfähig. Die familiären Verbindungen zu Plech waren also eng, auch Ramprecht verstand sich mit dem Makler einst prächtig.

"Die Bande vernichte ich"

Allerdings kam es zwischen den beiden zu einem Bruch. Laut Ramprecht soll er sich nach einem Tennismatch im Frühjahr 2004 ereignet haben. Plech soll über seine Niederlage verärgert gewesen sein, ein heftiger Streit habe sich in der Folge ergeben.

Dabei habe ihm Plech aus einer spontanen Emotion heraus gesagt, dass die Buwog-Privatisierung abgekartet sei und Grasser im Hintergrund die Fäden ziehe. Der Makler habe ihm danach eine erhebliche Summe geboten, damit er sich ruhig verhalte. Das Angebot habe er aber abgelehnt, erklärte Ramprecht.

Die Verteidigung bestreitet diese Angaben: Ramprecht hege Rachegelüste. Er wolle sich mit erfundenen Geschichten an Grasser rächen, weil der Minister Ramprechts Vertrag als Geschäftsführer der Bundesbeschaffungsgesellschaft (BBG) im Jahr 2006 nicht verlängert hat.

"Es ist um Leben und Tod gegangen", sagte Ramprechts Bruder. Er habe Michael zur Tennishalle chauffiert und abgeholt. Michael Ramprecht hatte bisher angegeben, selbst dorthin gefahren zu sein. Sein Bruder habe nach dem Match im Auto geschimpft, dass die Buwog-Privatisierung eine "Sauerei" sei und und hinter allem Grasser stehe, so der Zeuge. "Die Bande vernichte ich jetzt"; er werde alle anzeigen, habe sein Bruder zu ihm gesagt.

Gemeinsam mit Ramprechts Frau habe er seinen Bruder aber überredet, davon Abstand zu nehmen. "Ich habe nur Nachteile für unsere Familie gesehen. Und was soll er alleine ausrichten?", begründet Ramprechts Gattin ihre Gründe, warum sie ihren Mann davon abbringen wollte.

Anschließend sei er zu seinem damaligen Arbeitgeber Plech gegangen, um die Wogen zwischen seinem Bruder und Plech zu glätten, so der Zeuge. Plech sei plötzlich erblasst und habe wortwörtlich gesagt: "Auch wenn ich mein ganzes Geld dafür verwenden muss, ich werde Ihren Bruder und seine Familie vernichten." Allerdings habe sich die Situation nach einigen Stunden wieder entspannt, und Plech habe ihm gesagt, dass er den Kopf seines Bruders gerettet habe. Plech hielt in einem Aktenvermerk im Juni 2004 fest, dass Ramprechts Bruder ihm erzählt hat, dass Michael ihn anzeigen habe wollen. Er erklärte sich Ramprechts Aussagen damit, dass dieser ihn wegen eines Geldgeschäfts erpresse wolle.

Kurz darauf wurde Ramprechts Frau, die damals auch bei Plech arbeitete, hinausgeschmissen. "Er hat gesagt, dass ich sofort gehen soll", schilderte Ramprechts Frau. Das habe sie verwundert, denn Plech habe viel von ihr gehalten, ihr Verhältnis sei freundschaftlich gewesen. Ramprecht und sein Bruder vermuten, dass das Plechs Retourkutsche war.

Harte Wortgefechte

Einvernommen wurde am Dienstag auch Martin Ohneberg, er war einst Manager beim Immobilienunternehmen Soravia. Ohneberg lernte Ramprecht kennen, als dieser, nach seiner Arbeit bei der BBG, Geschäftsführer der Minopolis Holding, einer Soravia-Tochter, wurde. Ramprecht sei keine einfache Person gewesen, meinte Ohneberg. Man habe sich von ihm getrennt, nachdem Minopolis nicht erfolgreich gewesen sei.

Ramprecht selbst war am vergangenen Donnerstag von Grassers Verteidigern befragt worden, wobei es zu Wortgefechten und Anschuldigungen von beiden Seiten gekommen war. Ramprecht verstrickte sich teils in Widersprüche, hielt seine grundsätzliche Aussage aber aufrecht. Er hatte sich erst im Herbst 2009, als die ersten Gerüchte in der Causa in den Medien landeten, an die Öffentlichkeit gewandt.