Es ist wieder Zirkuszeit. Direktor Louis Knie junior gastiert derzeit mit seinem gleichnamigen Zirkus in Wien. Und für das aktuelle Gastspiel hat der Herr Direktor echte Top-Qualität eingekauft. Schon der Auftakt ist ein Knaller: Los Ortiz aus Kolumbien (die später noch über das Todesrad rennen werden) machen als Seiltänzer ihrem Namen alle Ehre - schon der Aufstieg ist waghalsig spektakulär. Und was sie hoch über den Köpfen des Publikums zeigen, ist tatsächlich atemberaubend: Seilspringen ist da noch eine der harmloseren Übungen. Und das alles sieht nicht nur sehr gefährlich, sondern gleichzeitig auch noch so spielend leicht aus! Gleiches gilt für die Italienierin Jessyka Jasters am Luftreifen und beim Antipodenspiel (mit Drehscheiben und Feuerrad) und Andrea Navratilova am Vertikalseil. Auf dem Boden sorgt Hula-Hoop-Joungleurin Lena Smaha (die auch mit Bällen und Keulen eine Top-Performance hinlegt) mit Akrobatik und Sex-Appeal für Staunen. Nicht nur für die Papas gibt es Hingucker, sondern auch für die Mamas, etwa Handstand-Artist Carlo Josef Pfeiffer.


Den Kindern ist die Optik wohl noch relativ wurscht - die kriegen vor allem bei Sara Biasini-Berouseks durch die Manege wuselnden Hunden (die sie davor schon in der Pause im Streichelzoo gesehen haben) leuchtende Augen. Da können die zweibeinigen Artisten noch so waghalsige Kunststücke zeigen - gegen einen nur auf den Hinterbeinen durch Hindernisse hüpfenden Hund kommt halt doch keiner an. Zumal den Vierbeinern die Agility auch selbst Spaß zu machen scheint.

Nach jeder Nummer blödelt und zaubert der Clown Mathieau ein bisschen herum - auch unter "freiwilliger" Mitwirkung des Publikums (da sind auch starke Bauchmuskeln gefragt) - mit viel Pantomime und Stimmeinsatz. Und von wegen keine Wildtiere: Der französische Clown zeigt unter anderem auch Löwenbändigen einmal anders. Ruhiger geht es bei Kevin Probsts Eseln zu. Bis auf die übliche Peitschenknallerei halt. Voltigierkunst auf hohem Niveau zeigt Hundetrainerin Sara Biasini-Berousek hoch zu Ross mit der "Ungarischen Post" (im Endausbau der Nummer ist klar, warum sie so heißt). Und dann zeigt natürlich auch noch Louis Knie junior persönlich seine - ebenso wie die "Ungarische Post" - heuer bereits bei einem Festival ausgezeichnete Freiheitsdressur (inklusive Männchen machende Schimmel).

Bevor es dann mit dem "Todesrad" nochmal so richtig wild wird, dreht Matthieau mit drei (Un-)Freiwilligen aus dem Publikum noch rasch einen Western. Wirklich filmreif sind aber die Stunts der Ortiz - in zehn Metern Höhe und teils mit verbundenen Augen. Auf die Ihnen von der Zirkusleitung nahegelegte Sicherung verzichten die verrückten Kolumbianer dabei. Das Programm endet damit so waghalsig, wie es begonnen hat.