Wien. Nach dem verregneten Mai kündigen Sonne und Hitze den Sommer nun mit aller Kraft an. Nach einer gefühlten Ewigkeit in geschlossenen Räumen zieht es viele nach draußen - ins Freibad, in den Park, in den Garten. So wichtig Sonnenlicht für den Menschen ist, so gefährlich ist es aber auch. Vor allem die nicht sichtbaren UV-Strahlen sind für die Vitamin-D-Synthese, also die Knochenbildung, unabdingbar - gleichzeitig können sie aber auch die Augen schädigen und Hautkrebs hervorrufen. Ähnlich verhält es sich mit dem blauen Licht. Während der blaue Anteil des Tageslichts dafür sorgt, dass wir wach werden, wurde zuletzt immer wieder vor Handy- und Computerbildschirmen sowie LED-Lampen gewarnt. Wer am Abend zu lange ins Handy schaut, schläft später ein.

Die Herausforderung sei nun, Häuser und Innenräume so zu gestalten, dass das Tageslicht optimal genutzt wird, sagte dazu Gregor Radinger, Leiter des Lichtlabors an der Donau-Universität Krems. Es gehe darum, "die Balance zwischen Lichteintrag und thermischer Beherrschbarkeit von Gebäuden zu finden", so Radinger. Der Architekt war einer der Experten des Gipfels "Gutes Licht - Böses Licht?", zu dem Markus Gschweidl, Bundesinnungsmeister der Augenoptiker, am Mittwoch in die Wirtschaftskammer geladen hatte.

Höhere Räume und helle Möbel

Konkret bedeuten diese "Häuser der Zukunft" laut Radinger nicht zwingend, dass sie einen hohen Glasanteil von bis zu 90 Prozent haben müssen. Konstruktionen wie diese bergen nämlich den Nachteil, dass man die Glasflächen bei zu starker Sonneneinstrahlung abdecken muss, damit sich die Räume nicht zu sehr erhitzen. Und dann schalte man wieder Kunstlicht ein, was zudem den Energiebedarf in die Höhe schnellen lasse, sagte Radinger. Man müsse vielmehr darauf achten, zum Beispiel durch mehr Raumhöhe und eine geringere -tiefe (ideal sei hier das Verhältnis 1:3) den natürlichen Lichteintrag zu steigern. Helle Möbel, Bilder und Oberflächen, die das Licht nicht schlucken, sorgten zusätzlich für mehr Licht. Außenräume sollten freilich ebenfalls leicht zugänglich sein.

Der Schlafforscher Gerhard Klösch von der Medizinischen Universität Wien sprach sich wiederum dafür aus, die Lichtfarbe vom - je nach Wellenlänge - kalten Blau bis hin zum warmen Rot im Haus tagesabhängig zu verändern. "In den Morgenstunden brauchen wir mehr blauwelliges Licht, das auch die Leistungsfähigkeit von Schülern verbessern kann", sagte er. Am Abend helfe warmes Licht beim Einschlafen. In einigen Seniorenheimen arbeite man bereits mit einem intelligenten Lichtmanagement.