Wien. (jm) Die Einführung von standardisierten Reife- und Diplomprüfungen an AHS im Schuljahr 2014/15 und BHS im Schuljahr 2015/16 führte zu einem Rückgang bei der Erfolgsquote bei den Sommerterminen einerseits und bei den Aufstiegsberechtigungen zur Matura und Übertritten ins Hochschulsystem andererseits. Das zeigen die Aufzeichnungen "Bildung in Zahlen 2017/18" der Statistik Austria, die am Dienstag präsentiert wurden. Die Schüler bräuchten seit der Matura-Umstellung "zunehmend mehrere Antritte, um die Reifeprüfung positiv zu absolvieren, oder treten generell zu einem späteren Zeitpunkt das erste Mal zur Reifeprüfung an", heißt es in dem Bericht des Datenamts.

Während die Erfolgsquote bei 2014 in AHS bei den Sommerterminen noch bei 87,7 Prozent lag, fiel sie bei der ersten standardisierten Prüfung auf 82 Prozent (2018: 77,3 Prozent). Einen ähnlichen Effekt zeigen die Daten für die BHS. 2015 haben dort noch fast 90 Prozent der Schüler die Reifeprüfung bestanden. Im Jahr darauf waren es nur noch rund 81 Prozent, im vergangenen Jahr ging die Erfolgsquote um weitere zwei Prozentpunkte zurück. Auch gesamt gesehen gab es Rückgänge: Beim Sommertermin 2018 waren österreichweit fast 37.800 Schüler antrittsberechtigt. 84,5 Prozent schlossen die Matura positiv ab. 2017 waren es noch etwas mehr: konkret 86,2 Prozent.

Antritt wird zur Schwierigkeit

Die schlechten Erfolge bei der Matura werden bei den späteren Nebenterminen im Herbst und Winter laut Statistik Austria aber zumindest etwas kompensiert. Sowohl in AHS und BHS steigen die Abschlüsse bei der Nachprüfung auf knapp mehr als 90 Prozent. Es bleiben aber auch mehr Schüler bei den Nebenterminen seit Einführung der Zentralmatura ohne Erfolg.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Ein Problemkind für die Schüler bleibt weiterhin die Mathematikmatura. In diesem Fach wurden in den vergangenen Jahren die meisten "Nicht Genügend" geschrieben. Mehr als Fünftel der AHS-Schüler schafften die Mathematikmatura 2018 nicht beim ersten Antritt. Die BHS-Ergebnisse reihten sich nur leicht darunter ein. Auch bei den Nachprüfungen fallen im Vergleich zu den Fächern Deutsch und Englisch deutlich mehr durch.

Heuer gab es deutliche Verbesserungen bei den Mathematikklausuren. Vor allem in den AHS schwankt der Anteil der "Nicht Genügend" beim ersten Antritt zwischen den Jahren: 11,9 Prozent (2017), 22,4 Prozent (2018) und 11,2 Prozent (2019).

Allerdings zeigen die Statistiken auch, dass mehr Schüler seit der Zentralmatura bereits vor ihrer Reifeprüfung zurückbleiben. Der Prozentsatz derer, die aus der vorletzten Klasse nicht in die Maturaklasse aufsteigen durften, stieg ebenso wie die Zahl jener, die in der Maturaklasse durchfielen und gar nicht zur Reifeprüfung antreten konnten.

Dass die Schüler seit Einführung der Zentralmatura mehrere Antritte benötigen, um ihren Abschluss zu schaffen, führt auch zu einer Verzögerung bei ihrer akademischen Karriere. Der Anteil derer, die erst nach dem zweiten Wintersemester nach der Matura den Weg in die Universität schaffen oder erst gar nicht dort hinkommen, stieg an. In der BHS beginnen nach wie vor deutlich weniger Schüler ein Studium als in den AHS.

Unterschiedliche Chancen

Weniger komplex erscheinen die Erfolgsfaktoren bei der Matura. Je höher der Bildungsstand der Eltern, desto besser sind die Chancen, die Reifeprüfung beim ersten Termin positiv abzuschließen. Ein negativer Einfluss sei, wenn die Mutter des Schülers nicht in Österreich geboren wurde. Mädchen haben auch eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit als Burschen. Laut Statistik-Austria-Chef Konrad Pesendorfer spielt auch eine Rolle, in welche Klasse oder in welche Schule Jugendliche gehen. "Es macht einen Unterschied, selbst wenn man alle anderen Faktoren gleichschalten würde", so Pesendorfer.