Wien. Stau, so weit das Auge reicht. Mit der Zeugnisverteilung am Freitag im Osten Österreichs starten die verkehrsintensivsten Tage des Jahres auf den heimischen Transitstrecken. Ende dieser Woche beginnen auch die Ferien in sechs deutschen Bundesländern sowie in Tschechien und in der Slowakei. Dazu kommt die An- und Abreise rund um den Formel 1 Grand Prix in Spielberg. In Kärnten sorgt der Ironman für Umleitungen.

Tirol wehrt sich seit geraumer Zeit gegen das enorme Verkehrsaufkommen und reagierte mit Blockabfertigungen. Zusätzlich gibt es zahlreiche Straßensperren, um Stau-Umfahrer abzuhalten, auf die Landstraßen auszuweichen und die Ortschaften zu verstopfen. Auch in Salzburg gibt es bei Bedarf bei langen Staus auf der Autobahn verordnete, temporäre Fahrverbote etwa in den Gemeinden Grödig und Wals. Im Bedarfsfall ist geplant, auch die Autobahnabfahrten der A 10 Puch-Urstein (in Richtung Norden) und Kuchl (Richtung Süden) für wenige Stunden komplett zu sperren.

Lkw-Blockabfertigung
und Pkw-Fahrverbot

Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hält auch nach einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker "unverrückbar" an den Pkw-Fahrverboten und an der Lkw-Blockabfertigung fest. Ein Sprecher der EU-Behörde, forderte von beiden Seiten Bemühungen, "anstatt vor Gericht ziehen zu müssen". Deutschlands Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte ja angekündigt, eine Klage gegen Österreich beim Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorbereiten zu lassen.

Unterstützung erhielt Landeshauptmann Platter vom Tiroler Roten Kreuz, das die für die Wochenenden verhängten Fahrverbote auf dem niederrangigen Straßennetz nach den Autobahnausfahrten im Großraum Innsbruck begrüßt. Dadurch können durch den Ausweichverkehr verursachte Behinderungen von Rettungseinsätzen verhindert und die Versorgungssicherheit sichergestellt werden, hieß es in einer Aussendung.

Kilometerlange Staus auf den Straßen, wie sie an den Wochenenden regelmäßig stattfinden, würden die Rettungskräfte nämlich vor besondere Herausforderungen stellen. Erschwerend komme hinzu, dass auch die Rettungsgasse in den meisten Fällen nicht funktioniere. Andreas Karl, Geschäftsführer der Rettungsdienst GmbH., begrüßte auch ausdrücklich Überlegungen, bei Bedarf die Fahrverbote für den Transitverkehr auf weitere Teile Tirols auszudehnen. Denn die Stauproblematik beschränke sich nicht nur auf den Großraum Innsbruck, sondern betreffe viele Teile Tirols - etwa auch die Bezirke Reutte und Kufstein.

VCÖ fordert Mindest-Maut
für Lkw in Europa

Im Vorjahr sind mehr Lkw über den Brenner (2,4 Millionen) gerollt als über alle Schweizer Alpenrouten und die französischen Alpenübergänge Frejus und Mont Blanc zusammen (2,37 Millionen), hat der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) mitgeteilt. In der Schweiz sei der Alpentransit mit Lkw seit 2010 um ein Viertel zurückgegangen, am Brenner im gleichen Zeitraum um 30 Prozent gestiegen.

Im Jahr 2000 seien von den damals 4,5 Millionen Lkw auf den Alpenpässen noch jeweils rund ein Drittel durch Österreich, Frankreich bzw. die Schweiz gerollt. Inzwischen (2018) rollen 50 Prozent des Lkw-Verkehrs über den Brenner.

Drei Dinge hätten zum Rückgang in der Schweiz geführt, resümiert der VCÖ: Die Lkw-Maut sei deutlich höher als in Österreich, Diesel werde im Gegensatz zu Österreich höher besteuert als Benzin und die Schieneninfrastruktur werde seit drei Jahrzehnten konsequent ausgebaut und verbessert. Der VCÖ fordert für Österreich eine gleich hohe Steuer auf Diesel wie auf Benzin, eine strengere Kontrolle der Tempolimits für Lkw und eine "Alpentransitbörse". Dieses Konzept sehe eine Deckelung der Anzahl der Lkw-Fahrten über die einzelnen Übergänge vor. Die Fahrtrechte könnten gekauft und gehandelt werden. Wer keine ergattert, müsse auf die Bahn ausweichen.