Wien. (jsy) Das illegale Geschäft mit Hundewelpen ist in Österreich im Aufwind. "Der Handel befindet sich auf einem Allzeithoch", berichtet der Chef des Zoofachhandels der Wirtschaftskammer Wien, Kurt Essmann. Einen stetigen Anstieg der gemeldeten Fälle bestätigt auch die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten". Dabei startete die Stadt Wien bereits 2013 eine Kampagne gegen illegalen Welpenhandel.

Die nicht registrierten Händler halten sich weder an haltungs- noch tierschutzrechtliche Bestimmungen und bringen die Hundewelpen mit gefälschten Papieren aus Osteuropa nach Österreich. Der Kontakt zu Käufern wird meist übers Internet hergestellt.

Genaue Zahlen, wie viele solcher illegaler Händler sich in Österreich befinden, sind allerdings nicht bekannt. Selbst Schätzungen sind laut "Vier Pfoten" schwer möglich. Der österreichische Tierschutzverein geht von ungefähr 100.000 bis 200.000 Tieren aus, die von Osteuropa in den deutschsprachigen Raum kommen.

Die österreichische Tierärztekammer hat es sich zum Ziel gemacht, über den Handel aufzuklären und hat eigens dafür eine Website eingerichtet. Auf dieser schreibt sie, dass es vor allem Rassehunde sind, die von illegalen Händlern nach Österreich gebracht werden. Diese kosten bei einem seriösen Züchter von 800 Euro aufwärts; sie werden tierärztlich begleitet, geimpft, bekommen Papiere. Tiere der illegalen Züchter kosten dagegen meist nur zwischen 120 und 400 Euro.

Die meisten illegalen Welpen stammen aus Massenvermehrungen in Tschechien oder Ungarn, wo sie unter grausamen Bedingungen auf engstem Raum gehalten werden. Oft werden sie bereits mit chronischen und degenerativen Krankheiten geboren, beklagen Tierschützer. So kommen die Hunde, mit gefälschtem Impfpass und nachdem sie zu früh von der Mutter getrennt wurden, teils schon todkrank nach Österreich, wo sie von den neuen Besitzern teuer behandelt werden müssen - oft ohne Erfolg.

Seit 2019 gilt Verkaufsverbot von Hunden im Zoofachhandel

Laut "Vier Pfoten" sind die Händler mittlerweile vor allem auf Facebook aktiv. Um sich hier zu registrieren, brauchen sie kaum Angaben zu machen; das macht es so schwer, sie zurückzuverfolgen. Doch wie ist das Problem in den Griff zu kriegen? "Wenn der legale Handel mit Tieren kriminalisiert wird, fördert das automatisch den Schwarzmarkt", glaubt Essmann. Im Vorjahr wurde ein Gesetz beschlossen, das den Verkauf von Hunden und Katzen im Zoofachhandel verbietet. Dabei seien hier keine Missstände dokumentiert worden.

In anderen Ländern wie Norwegen sei bereits beobachtet worden, wie nach einem Verbot der Verkauf auf dem Schwarzmarkt angestiegen sei, berichtete Svein Fossa, Vorsitzender der European Pet Organisation.

Essmann fordert daher ein umfangreiches Maßnahmenpaket, das strengere Strafen für die Verkäufer, einheitliche Bestimmungen für alle, die mit Heimtieren handeln, und eine Meldepflicht für Jungtiere beinhaltet. "Vier Pfoten" wünscht sich: Es sollten nur noch registrierte Hunde von identifizierten Anbietern online inseriert werden dürfen.