Auch gegen Schönborn (l.) hat das mutmaßliche Opfer eine Anzeige eingebracht, die Opferschutzanwaltschaft unter Klasnic (r.) prüft den Fall noch einmal. Foto:apa/Techt - © APA/HANS KLAUS TECHT
Auch gegen Schönborn (l.) hat das mutmaßliche Opfer eine Anzeige eingebracht, die Opferschutzanwaltschaft unter Klasnic (r.) prüft den Fall noch einmal. Foto:apa/Techt - © APA/HANS KLAUS TECHT

Wien. Die unabhängige Opferschutzanwaltschaft wird den Fall neu aufrollen. Vertreter der Kommission unter der früheren steirischen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic haben am Montag auch Entschädigungszahlungen in Aussicht gestellt.

Aber der Reihe nach: Wie am Wochenende bekannt wurde, hat eine 45-Jährige Anzeige wegen sexuellen Missbrauchs und Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses gegen zwei Geistliche eingebracht. Der eine, ein Tiroler Franziskanerpater, soll die Frau, die damals minderjährig war, 1984 beim Weltjugendtreffen in Rom und 1997 in Wien belästigt haben. Vor Monaten gab der Pater in einem Brief zwar zu, die Frau und ihre Schwester in Rom in sein Zimmer mitgenommen zu haben, er könne sich aber nicht mehr daran erinnern, wie es zur Berührung gekommen sei. In einem weiteren Brief vom 16. Juni bekannte sich der Pater schuldig. Dieses Geständnis soll der Mann wieder zurückgezogen haben. Dennoch wurde der Schulseelsorger laut "Tiroler Tageszeitung" suspendiert, der Orden prüft den Fall.

Alle Vorwürfe bestreitet auch der zweite Ordensmann: Die 45-Jährige beschuldigt den Leiter der Päpstlichen Missionswerke ("Missio"), Leo Maasburg, sie 1994 mehrmals missbraucht zu haben. Der frühere Beichtvater von Mutter Teresa wies dies in einer Videobotschaft vehement zurück. Er habe mit der Frau nur eine freundschaftliche Beziehung gehabt.

Stalking-Vorwürfe


Maasburg wirft der Frau Stalking vor: Dies könne er durch mehr als 1000 Mails und SMS belegen, die er zwischen 2004 und 2008 von ihr bekommen habe. Ein Gutachter habe ihr eine emotional instabile Persönlichkeit attestiert.

Am Montag konterte die 45-Jährige: Nicht sie, sondern der prominente Geistliche habe ihr "hunderte E-Mails und SMS" geschickt.

Pikantes Detail der verworrenen Causa: 1994 hat sich die Frau direkt an den damaligen Wiener Weihbischof Christoph Schönborn gewandt, der sie auch zu einem Gespräch empfing. Geschehen sei aber nichts, so die Frau. Ihr Anwalt Werner Schostal hat Schönborn daher wegen Unterlassung der Verhinderung einer mit Strafe bedrohten Handlung angezeigt. Bei dem Treffen habe es sich um eine Beichte gehandelt, daher habe man das Beichtgeheimnis einhalten müssen, so das Büro des Kardinals.

Clearing-Verfahren


Im Vorjahr hat die Klasnic-Kommission die Frau jedenfalls als Opfer anerkannt und ihr mehr als 11.000 Euro "Soforthilfe" für eine stationäre Therapie zugesprochen. Bisher wurde aber weder eine Anzeige erstattet, noch ist der 45-Jährigen eine Entschädigung zugesprochen worden. Dies könnte sich nun ändern. Dafür muss der Fall noch eingehend geprüft werden, die Frau müsste sich dem Clearing-Verfahren - einem zehnstündigen psychologischen Gespräch - unterziehen, hieß es.

Der grüne Justizsprecher Albert Steinhauser forderte einmal mehr eine unabhängige staatliche Kommission. In der nächsten Sitzung des Nationalrats im Juli will er einen entsprechenden Antrag einbringen.