"Der souveräne österreichische Staat war das erste Opfer des Nazi-Regimes." Das sagte Bundeskanzler Wolfgang Schüssel laut einer Vorausmeldung in einem Interview mit der israelischen Zeitung "Jerusalem Post". "Die Nazis nahmen Österreich mit Gewalt. Die Österreicher waren das erste Opfer", sagte Schüssel, der jedoch einräumt, dass die Österreicher eine "moralische Verantwortung" für die Vergangenheit trügen. Der Direktor der israelischen Abteilung des Simon Wiesenthal Zentrums, Efraim Zuroff, bezeichnete Schüssels Sicht der österrreichischen Geschichte als "schlicht absurd". Zuroff hätte derartige Ansichten bestenfalls von einem Jörg Haider erwartet. Grüne-Bundessprecher Van der Bellen zeigte sich "entsetzt über die Geschichtslüge" und SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Andrea Kuntzl "zutiefst befremdet". Der Grazer Historiker Stefan Karner verteidigte Schüssel Aussagen: Man müsse zwischen Staat und Individuum unterscheiden.