Über den 42jährigen wurde ein Schuldsspruch ohne weitere Bestrafung verhängt. Er war bereits im Oktober 1996 wegen Mordes an Sonja Svec zu einer lebenslänglichen Haftstrafe verurteilt

worden. Eine zusätzliche Strafe ist in Österreich nicht vorgesehen, die Verurteilung spielt aber bei der Beratung über eine vorzeitige Haftentlassung eine wichtige Rolle.

Staatsanwalt Thomas Mühlbacher hatte bereits am ersten Prozeßtag klargemacht: Daß Ott zu lebenslanger Haft verurteilt worden sei, bedeute, daß in (frühestens) elfeinhalb Jahren über seine Entlassung

entschieden werden könne. Genau aus diesem Grund sei eine weitere Verurteilung des "sexuellen Sadisten", der seine Strafe derzeit in einer Abteilung für geistig abnorme Rechtsbrecher in Graz-Karlau

verbüßt, wichtig.

Am letzten Prozeßtag erklärte der Psychiater Max Friedrich, der Ott bereits aus dem ersten Mordprozeß kennt, der Angeklagte weise eine sehr hohe Eigenliebe in Kombination mit erhöhter

Aggressionsbereitschaft auf. Feststellbar seien weiters "schwere Charaktermängel durch eine abwertend-ablehnende Erziehungshaltung". Bereits im Alter von zehn Jahren sei bei Ott eine "neurotische

Frühverwahrlosung" diagnostiziert worden. "Verbiegende Erziehungsmaßnahmen" hatten zu Minderwertigkeitsgefühlen geführt, die Ott mit Aggressionen und einem "massiven Mittelpunktstreben" zu

kompensieren versuchte.

Zu den von ihm so genannten "Spitzenhandlungen" sagte Friedrich, daß es sich dabei um eine über Tage ansteigende Aggression handle, die mit sexuellen Handlungen gepaart sei. An diesem Punkt mischte

sich Ott, unterstützt von seinem Verteidiger, ein: "Ich hätte Interesse, mir diese Dinge von Ihnen erklären zu lassen."

Der Kriminalpsychologe Thomas Müller erklärte, daß aufgrund der Verhaltensmuster des Täters Sonja Svec und Karin Müller derselben Person zum Opfer gefallen sein müssen.

Jeder Täter müsse gewisse Entscheidungen treffen, etwa wen er als Opfer auswählt, wie er es tötet oder was er mit der Leiche macht, so der Kriminalpsychologe. Vergleiche man alle sexuellen

Tötungsdelikte in Österreich seit 1974 nach diesen Kriterien und berücksichtige man dazu die Art der Fesselungen, so blieben nur zwei Fälle übrig: Sonja Svec und Karin Müller. Aufgrund des "engen

geographischen Bereichs", in dem die Leichen gefunden wurden, könne man nicht von mehreren Tätern sprechen, erklärte Müller bestimmt.

Auch das DNA-Gutachten belastete Ott massiv: Die in seinem Bus gefundenen Haare waren mit jenen verglichen worden, die aus der Haarbürste von Karin Müller entnommen wurden. Ergebnis: Unter zehn

Millionen Menschen weist nur einer diese DNA-Werte auf. "Das Haar stammt zu 99,99999 Prozent von Karin Müller", so der Gutachter.