Eine erste Sichtung der Fahrtschreiberdaten ergab, daß der ungarische Bus mit etwa 100 km/h auf der Straße nach Deutschlandsberg von der Fahrbahn abkam, über eine Böschung flog, sich überschlug

und knapp vor einem Wohnhaus zertrümmert liegen blieb. Wie Walter Hingl, Jurist der Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg, sagte, "deutet einiges auf einen technischen Defekt, ein Bremsversagen

hin".

Der Bus befand sich mit 45 Insassen auf dem Weg vom Skigebiet Weinebene nach Deutschlandsberg und weiter ins Quartier Schloß Limberg. Etwa 3 km vor Deutschlandsberg · es war 16.45 Uhr · geriet der

Lenker und Busunternehmer Jozsef Korcsar bei der Talfahrt auf der L 619 in Schwierigkeiten: Rund 500 m vor der späteren Unfallstelle geriet er in einer Kurve auf die linke Straßenseite und rammte

mehrere Begrenzungspflöcke. Die zweite Kurve des abschüssigen Straßenstückes · 11 Prozent Gefälle · konnte der Lenker, der laut Aussagen von Opfern verzweifelt versuchte, einen Gang einzulegen,

gerade noch meistern. Mit dem außer Kontrolle geratenen Schwerfahrzeug überholte er noch mehrere Pkw.

Die dritte Biegung, eine relativ leichte Rechtskurve, wurde schließlich zum Verhängnis: Mit rund 100 km/h, so ließ sich dem Tachographenblatt entnehmen, flog der schlingernde Bus von der Straße über

eine Böschung. Das Fahrzeug bohrte sich nach 15 m in den Gegenhang, auf dem erhöht ein Gehöft steht. Nachdem der Bus sich ein- oder zweimal überschlagen hatte, wurde er schließlich von einem Baum

gestoppt · wenige Meter vom Wohnhaus des Josef Wallner entfernt, der gerade in der Küche saß und entsetzt aus dem Fenster schaute.

Daß die Einsatzkräfte so schnell am Unglücksort waren, ist einem leichten Pkw-Unfall zu verdanken, der sich unmittelbar zuvor nur 2 km entfernt ereignet hatte. Gendarmerie, Feuerwehr und Rettung

wurden sofort umdirigiert, in kürzester Zeit ein Großalarm ausgelöst.

Eltern, Angehörige und Mitschüler erfuhren großteils erst aus dem ungarischen Fernsehen, daß der erste Skitag in Österreich für 18 ihrer Kinder und Freunde der letzte in deren Leben war. In dem Bus

von Korcsar befanden sich Schüler der Agrar- und Handelsfachschule Köszeg und Schüler des Jurisics-Gymnasiums in der westungarischen Stadt.

Ein Teil der Eltern war aber auch mit den Kindern unterwegs und im eigenen Pkw dem Bus nachgefahren. Unter ihnen befand sich auch eine Ärztin, die nach dem Eintreffen beim Unfallort als erstes

Todesopfer die eigene Tochter fand.

Einige der Angehörigen befanden sich am Montag noch auf dem Weg in die Steiermark, ohne gültige Reisedokumente, wie es im Innenministerium in Wien hieß. Die Grenzbeamten wurden angehalten, in diesem

Fall eine unbürokratische Vorgangsweise an den Tag zu legen.

Nach ungarischen Angaben war der Bus im vergangenen September überprüft und für technisch einwandfrei befunden worden. Auch die Bremssysteme des Fahrzeugs funktionierten demnach ohne Probleme.

Vom 3-Länder-Gipfel-

treffen ans Krankenbett

Das Gipfeltreffen der Regierungschefs Österreichs, Ungarns und der Slowakei, Viktor Klima, Viktor Orban und Mikulas Dzurinda, war von Trauer um die toten ungarischen Jugendlichen gekennzeichnet.

Die ungarische Delegation mit Orban an der Spitze trug bei der Begrüßung der Gäste Trauerbinden. Auch die ersten Worte Klimas und Dzurindas galten dem Ausdruck der tiefen Anteilnahme. Orban wurde am

Nachmittag in Graz erwartet, um in Begleitung von Klima und Landeshauptfrau Waltraud Klasnic die Überlebenden in den Krankenhäusern zu besuchen. Bundespräsident Thomas Klestil drückte in einem

Telegramm an den ungarischen Staatspräsidenten Arpad Göncz seine "tiefempfundene Anteilnahme" aus.