Als Gründer und Führer der Neonazi-Gruppe "Volkstreue Außerparlamentarische Opposition" (VAPO) sitzt Gottfried Küssel schon fast sieben Jahre hinter Gittern. Am Dienstag mußte sich nun auch seine

26jährige Ehefrau Karin wegen Wiederbetätigung vor Gericht verantworten. Zum Vorwurf, sie habe sich als einfaches Mitglied der VAPO im nationalsozialistischen Sinn wiederbetätigt, schweigt sie

beharrlich. Ein Urteil ist heute, Mittwoch, zu erwarten.

Auf die detaillierten Fragen des Vorsitzenden des Schwurgerichts, Fritz Zöllner, antwortete sie mit den Worten: "Dazu will ich keine Aussage machen." Die Zeugen mußten antworten und zeichneten das

Bild einer desinteressierten Mitläuferin, die bei den Veranstaltungen der VAPO höchstens körperlich anwesend war.

Staatsanwalt Sepp Dieter Fasching wirft ihr vor, 19 mal beim Stammtisch der VAPO im "Paulinenstüberl" dabei gewesen sein. Zehn mal soll sie an Kameradschaftsabenden im Kellerlokal der VAPO in der

Hornbostelgasse teilgenommen haben. 1992 und 1993 soll sie bei Geburtstagsfeiern für Adolf Hitler mitgemacht haben.

Nach Ansicht von Verteidiger Otto Tuma wurde Karin Küssel nur aufgrund ihrer Ehe mit Gottfried Küssel angeklagt: "Zur VAPO als solcher hatte sie überhaupt keine Beziehung. Sie kommt aus einer eher

linksdemokratischen Familie, die jetzt gar nicht gut auf sie zu sprechen ist." Die Anklage ist seiner Meinung nach zu dünn.

Gottfried Küssel hat seine Frau Karin erst in der Haft geheiratet. Er war am 6. Jänner 1992 verhaftet worden und verbüßt derzeit eine elfjährige Haftstrafe wegen NS-Wiederbetätigung.