Der Zustand des niederländischen Prinz Johan Friso ist nach wie vor unverändert. - © ANPweb /Ed Oudenaarden
Der Zustand des niederländischen Prinz Johan Friso ist nach wie vor unverändert. - © ANPweb /Ed Oudenaarden

Innsbruck/Lech/Den Haag.  Keine Ende hat das Bangen um den niederländischen Prinzen Johan Friso, nachdem er Freitagmittag in Lech am Arlberg beim Skifahren im freien Gelände von einer Lawine etwa 20 Minuten verschüttet worden war und schließlich nach Reanimation in die Intensivstation der Innsbrucker Universitätsklinik eingeliefert worden war. "Die Situation von Prinz Johan Friso ist unverändert. Sein Zustand ist stabil. Er ist weiterhin Gefahr", stellte die Presseabteilung der niederländischen Regierung Sonntagnachmittag fest.


"Eine Prognose wird man wohl nicht vor einigen Tagen abgeben können", hieß es laut niederländischer Nachrichtenagentur ANP in der aktuellen Mitteilung weiter. Die niederländische Königin Beatrix und Johan Frisos Frau Mabel waren Sonntagmittag erneut an der Innsbrucker Universitätsklinik eingetroffen, um den verunglückten Prinzen an der Intensivstation zu besuchen. Die beiden Frauen waren schwarz gekleidet und passierten die wartenden Journalisten, ohne ein Statement abzugeben. Es gab widersprüchliche Medienmeldungen in Österreich bezüglich eines eventuellen Eingriffs zum Anlegen einer Hirndrucksonde, um einer Gehirnschwellung bzw. deren Folgen vorzubeugen.

Prinz Friso mit Frau und Kindern in Lech im Februar 2011. - © dapd
Prinz Friso mit Frau und Kindern in Lech im Februar 2011. - © dapd


"Von unserer Seite aus ist derzeit alles gesagt. Der Unfallhergang wurde mehrmals erläutert", erklärte am Sonntag Pia Herbst aus dem für Journalisten in Lech am Arlberg eingerichteten Presse-Zentrum. Sie bat, die Privatsphäre der niederländischen Königsfamilie zu respektieren. Die Familie - Königin Beatrix sowie Johan Frisos Brüder Willem-Alexander und Constantijn mit ihren Gattinnen und Kindern - wohnt weiter in Lech. Sie waren Freitagabend auf dem kleinen Schweizer Flugplatz St. Gallen-Altenrhein angekommen und direkt zum Arlberg weitergereist. Kronprinz Willem-Alexander and seine Frau Maxima gingen am Sonntag skifahren. Sie waren begleitet von ihren Kindern und den beiden Kindern des Verunglückten.


Johan Friso war Freitagmittag beim Skifahren in Lech im Bereich Litzen in Richtung Zugertobel von einer Lawine verschüttet worden. Er lag etwa 20 Minuten etwa 40 Zentimeter unter dem Schnee, bevor er gefunden und reanimiert werden konnte. Der Verunglückte kam unmittelbar darauf per Notarzthubschrauber in die Universitätsklinik nach Innsbruck, wo er in der Intensivstation von Spezialisten betreut wurde.


Nach dem Lawinenunglück ermittelt die Staatsanwaltschaft Feldkirch wegen "fahrlässiger Körperverletzung unter besonders gefährlichen Umständen". Es handle sich vorerst um eine routinemäßige Untersuchung, wie sie nach jedem Unfall vorgenommen werde, erklärte die Sicherheitsdirektion Vorarlberg am Samstag auf APA-Anfrage. Wie bzw. von wem das Schneebrett ausgelöst wurde, war vorerst unklar. Zum Zeitpunkt des Unfalls herrschte in Lech Lawinenwarnstufe 4 - "groß" - auf der fünfteiligen Skala. Laut dem Lagebericht der Vorarlberger Landeswarnzentrale konnten Lawinen damit bereits durch geringe Zusatzbelastungen, etwa schon durch einzelne Wintersportler, ausgelöst werden.


Michael Manhart, Geschäftsführer der Skilifte Lech, schätzte am Samstag den Hang, in dem sich das Lawinenunglück mit dem niederländischen Prinzen ereignete, als gefährlich ein. "Der Hang ist 'heiß', es ist eine kurze, steile Böschung", sagte er. Jemandem die Schuld für den Lawinenabgang zuzuweisen, "wäre völlig falsch", so Manhart. Die Entscheidung, im freien Skigelände in einen Hang einzufahren, liege bei jedem Einzelnen. "Der Prinz war so oft in Lech, der weiß genau, was er macht", meinte Manhart, der für einen großen Teil des gesicherten Lecher Skigebiets die Verantwortung trägt.