St. Pölten/Wien.

Vor lauter Autos sieht man die Parklücke nicht - obwohl es sie vielleicht gibt. - © APA
Vor lauter Autos sieht man die Parklücke nicht - obwohl es sie vielleicht gibt. - © APA
Einkaufstag in der Mariahilfer Straße. Die Familie ist mit dem Auto gekommen, um die Schuhe, Kleider und weiteren Kleinigkeiten, die man erwerben möchte, unkompliziert nach Hause schaffen zu können. Allein: Wo ist ein Parkplatz frei?

Um dem nun folgenden Gräuel der ewigen Parkplatzsuche ein Ende zu bereiten, hat die Fachhochschule (FH) St. Pölten ein Projekt gestartet, bei dem auf Straßenlaternen montierte Kameras freie Plätze erkennen. Die Adresse wird umgehend auf die Navigationsgeräte der suchenden Autofahrer geschickt, die daraufhin direkt zum freien Parkplatz geleitet werden.

"Eine ,intelligente‘ Straßenbeleuchtung mit Mehrwert ist unser Ziel", sagt Projektleiter Christian Hölzl zur "Wiener Zeitung", der seit etwa einem Jahr mit zwei Studenten des Studiengangs "Industrial Simulation" an dem von der Stadt St. Pölten geförderten Projekt arbeitet. Der Prototyp ist bereits auf dem Parkplatz vor der FH installiert. Es ist eine einfache Webcam, die auf einer Laterne montiert ist und mittels Farbkontrasten und Kantenerkennung registriert, wo kein Auto eingeparkt ist. "Diese Webcam ist mit einem Computer, so klein wie eine Zigarettenschachtel, verkabelt und steckt mit diesem in dem Gehäuse einer Überwachungskamera", präzisiert Hölzl. Die Daten gelangen in einen Server und werden schließlich über das Drahtlosnetzwerk WLAN übermittelt.

Auf einen Blick: Die Kamera erfasst rund 20 Parkplätze.
Auf einen Blick: Die Kamera erfasst rund 20 Parkplätze.

Genau hier setzen allerdings Kritiker an. "Auf dem Weg des Transports könnten diese Daten geraubt und missbraucht werden, wenn jemand die Passwörter knackt", befürchtet etwa René Pfeiffer von der IT-Sicherheitskonferenz "DeepSec". Werden doch mit dem Parkraum auch mögliche Straftäter gefilmt: Rowdys, die Autos zerkratzen, Autodiebe oder Wiener "Gassi"-Sünder, die die Notdurft ihres Hundes nicht im Sackerl verschwinden lassen.

Letztere verstoßen lediglich gegen Verwaltungsvorschriften. "Um das zu beweisen, dürfen Aufzeichnungen dieser Art nicht herangezogen werden - für Verbrechen sehr wohl", stellt Datenschutzexperte Hans Zeger klar. Daraus resultiere ein weiteres Problem: Dass aus Aufzeichnungen schlechter Qualität falsche Schlüsse gezogen werden und womöglich ein Unschuldiger in einen Verdacht gerät, "von dem er sich wieder weißwaschen muss".

Verkehrsressort interessiert


Projektleiter Hölzl beruhigt: "Erstens kann man auf den Bildern keine Autonummern erkennen und zweitens werden sie nur kurz gespeichert - für die Zeit, während das Programm die Bilder auswertet." Für Pfeiffer bleibt dennoch ein Restrisiko. Wenn zum Beispiel für Backups oder Tests Bilder einmal länger gespeichert werden, könnte man darauf vergessen, sie zu löschen. Zeger ortet indes einen möglichen Konflikt bei der Durchführung. "Man kann öffentlich verfügbare Parkplätze nicht zuweisen. Wenn zehn Suchende den gleichen Hinweis auf ihr Navi bekommen, hat nur einer Glück - die anderen neun fahren umsonst zu der Adresse."

Freilich müsse man noch an den Feinheiten wie der Geschwindigkeit der Datenverarbeitung feilen, meint dazu Hölzl. Auch im Winter, wenn Straßen und Autos von Schnee bedeckt sind und es keine Kontraste gibt, sowie in der Nacht funktioniere das System noch nicht.

Das Wiener Verkehrsressort findet es dennoch interessant. "In der heutigen Zeit ist es sicher sinnvoll, sich über solche Serviceleistungen Gedanken zu machen", sagt ein Sprecher von Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou. In den vergangenen 30 Jahren habe sich die Zahl der Kfz-Neuzulassungen in Wien verdoppelt, derzeit verkehren hier rund 670.000 Autos - neuer Parkraum könne im bebauten Gebiet allerdings kaum geschaffen werden. Vor allem die inneren Bezirke und jene in Gürtelnähe seien chronisch überparkt. Laut einer Studie des ÖAMTC suchen durchschnittlich 30 Prozent der Autofahrer in der Stadt länger als zehn Minuten nach einer Parklücke. Mit einer Familie in Shopping-Stimmung im Auto mitunter ein nervenaufreibendes Unterfangen.