Wien. Ein knappes Monat noch und dann geht die Fußball-Europameisterschaft über die Bühne. Eine Zeit, in der auch wieder häufig Chips vor dem Fernsehgerät konsumiert werden. Grund genug für die Tester des Verbraucherschutzmagazins "Konsument", die hauchdünnen Erdäpfelscheiben unter die Lupe zu nehmen. Böse Inhaltsstoffe, Transfettsäuren, Salz und Acrylamide sind zwar zurückgegangen, doch noch immer sind Chips zu fett und zu würzig, kritisierten die Verbraucherschützer.

13 klassische Kartoffelchips sowie ein Knabbergebäck aus Erdäpfelpüreepulver (Pringles) wurden eingekauft und im Labor untersucht. Die gute Nachricht: Der Stoff Acrylamid, der beim Backen, Braten oder Frittieren von stärkehaltigen Lebensmitteln entsteht und krebserregend sein soll, konnte reduziert werden. Keine einzige Probe überschritt die von der EU vorgegebene 1.000-Mikrogramm pro Kilogramm-Grenze.

Deutliche Unterschiede
Doch innerhalb des Testfeldes gab es deutliche Unterschiede. Am wenigsten Acrylamid steckte in "funny-frisch" (150 Mikrogramm/Kilogramm), am meisten in den Kartoffel-Chips von "Sunsnacks" (878 Mikrogramm/Kilogramm). Einen Quantensprung nach vorn haben vor allem die Classic salted Chips von "Kellys" hingelegt: Bei der letzten Untersuchung im Jahr 2008 fanden die Tester noch 2.245 Mikrogramm/Kilogramm, diesmal dagegen nur 402. Gut unterwegs sind hier auch "Pringles", die ihren Acrylamidgehalt von 888 Mikrogramm/Kilogramm auf 230 reduzieren konnten.

Einen Rückgang gab es auch beim Salzgehalt, am deutlichsten reduzierten die Hersteller bei "funny-frisch", aber auch "Pringles", "Kellys" und "Lorenz" sind weniger würzig als beim Test 2008. Dennoch greifen die Hersteller nach wie vor zu tief ins Salzfass.

Zu viel Fett
Aber nicht nur zu würzig, Chips sind weiterhin noch viel zu üppig. Zwischen 32 und 43 Gramm Fett stecken in 100 Gramm Rohscheiben. Wer sich eine Packung von "Clever" oder "Crox" reinzieht (250 Gramm), konsumiert gleich einmal 100 Gramm Fett. Zum Vergleich: Eine erwachsene Frau sollte pro Tag nicht mehr als 70 Gramm Fett, ein erwachsener Mann nicht mehr als 90 Gramm verspeisen, warnt "Konsument".

Neben Acrylamid, Salz und Fett wurden alle Chips auch auf 3-MCPD-Ester (3-Monochlor-1,2-propandiol-Fettsaureester) untersucht. Diese Stoffe entstehen bei der Raffination von Speiseölen und -fetten. Experten gehen davon aus, dass die Ester bei der Verdauung in ihre Bestandteile zerlegt werden. Das dabei freiwerdende 3-MCPD kann die Nieren schädigen und gutartige Tumore verursachen. Bei den untersuchten Chips wurden 3-MCPD-Ester von 5,9 bis 73,0 Mikrogramm pro 100 Gramm gefunden. Ihr Fett weg bekommen hier ausgerechnet die bei Kindern und Jugendlichen heiß begehrten "Pringles", die bei diesen Werten vergleichsweise miserabel abschnitten. Mit einer Packung konsumiert man 120 Mikrogramm 3-MCPD-Ester.

Unter den ersten drei fanden sich "Crunchips Salted" und "Naturals Classic" von "Lorenz" sowie "All natural chips Salz" von "Sunsnacks" wieder. Absolutes Schlusslicht bildeten "Pringles Original" von "Pringles".