Mit Kettensägen amputieren die Wilderer das Horn, die Ranger finden oft nur noch tote Tiere. - © Reuters
Mit Kettensägen amputieren die Wilderer das Horn, die Ranger finden oft nur noch tote Tiere. - © Reuters

Kapstadt. Um den massiven Berg aus Muskeln kreisen hunderte, wenn nicht tausende Fliegen. Zielsicher und schnell haben sie den gewaltigen Kadaver im südafrikanischen Krüger-Nationalpark aufgespürt. Doch die Ranger im größten Wildtierschutzreservat des Landes sind dank der Hubschrauberunterstützung nicht viel langsamer. Das Blut an den Wunden ist teilweise noch frisch, als die Männer und Frauen der Parkverwaltung damit beginnen, das verstümmelte Nashorn zu untersuchen. Die Szenen erinnern dabei an die Einsätze der Spurensicherungsexperten in den CSI-Fernsehkrimis: Gelbe Tafeln mit Zahlen und Buchstaben markieren den Tatort, mit einem Metalldetektor sucht einer der Ranger den Sand nach Patronenhülsen ab, um später vielleicht die Tatwaffe ermitteln zu können. Falls man die Wilderer irgendwo aufgreift, könnte dies der entscheidende Beweis sein, um sie des Horndiebstahls zu überführen.

Der kriminalistische Einsatz der Ranger im Krüger-Park ist allerdings nur eine der Szenen, mit der in der Dokumentation "Rhino under threat" der blutige Krieg um die stark bedrohten Dickhäuter illustriert wird. Mit dem You-Tube-Video, das im Umfeld des Nachhaltigkeitsgipfels Rio+20 ins Netz gestellt wurde, will die UN-Artenschutzorganisation Cites vor allem auf die in den vergangenen drei Jahren massiv angestiegene Zahl an Wilderei-Fällen aufmerksam machen. Bis Juni dieses Jahres wurden allein in Südafrika 245 Nashörner illegal getötet, die Zahlen des Vorjahres, als 448 Tiere erlegt wurden, dürften damit neuerlich übertroffen werden. Dabei hatte schon 2011 einen traurigen Rekord markiert: 2010 waren laut dem südafrikanischen Umweltministerium 333 Nashörner den Wilderern zum Opfer gefallen, 2009 waren es lediglich knapp über hundert.

Angeheizt wird der Jagd vom nach wie vor unaufhaltsam wachsenden Markt für Nashorn-Produkte in China und Südostasien. Dort gilt vor allem das zu Pulver verarbeitete Horn als vielfältig einsetzbares Wundermittel. Dem "Rinoceri cornu" wird nicht nur ein fiebersenkender Effekt zugesprochen, es soll auch bei Krämpfen, Blutungen, infektiösen Erkrankungen und Bewusstseinstrübung wirken. In Vietnam kam zudem vor einigen Jahren das Gerücht auf, dass ein lokaler Minister dank des Hornpulvers seine unheilbare Krebserkrankung besiegt hat. Am verhängnisvollsten für die Rhinozerosse hat sich wohl aber der Glaube an die potenzfördernde Wirkung des Nashornpulvers erwiesen. Millionen asiatischer Männer versuchen mit ein paar Gramm der weißlichen Substanz, ihr Sexleben wieder auf Vordermann zu bringen.