Krzysztof Michalski hat für Wien sehr Wichtiges geleistet. - © IWM
Krzysztof Michalski hat für Wien sehr Wichtiges geleistet. - © IWM

Wien. Ich erinnere mich, als wäre es gestern. Ich war Wiener Vizebürgermeister, und bei mir meldete sich Józef Tischner, Philosoph und Theologieprofessor aus Krakau und Freund von Karol Józef Wojtyła an. Begleitet wurde er von einem jüngeren schmächtigen Mann, der der darauffolgenden Unterhaltung distanziert folgte. Tischner kannte ich durch meine Kontakte nach Krakau und zu der in Entstehung begriffenen Bewegung Solidarnosc. Sein Begleiter war Krzysztof Michalski, damals Universitätsassistent an der Universität für Philosophie in Warschau und ehemaliger Mitarbeiter von Leszek Kołakowski.

Sie hatten ein Schreiben von Papst Johannes Paul II. mit, in dem ich ersucht wurde, die Gründung eines "Institute for the Humanities" - später als "Institut für die Wissenschaft vom Menschen" (IWM) über Österreich hinaus bekannt - zu unterstützen. Die einfache Erklärung: Beide waren Mitarbeiter der "Praxis-Gruppe" unter der Leitung des Universitätsprofessors Ljubomir Tadic in Dubrovnik. Dessen Sohn Boris war später serbischer Staatspräsident.

Die "Praxis-Gruppe" war beiden zu marxistisch, wenngleich auf der Reformlinie, die gesamteuropäische Perspektive fehlte ihnen aber. Es ist Wiens damaligem Bürgermeister Leopold Gratz zu danken, dass er rasch eine Million Schilling bewilligte, weil er die Chance einer solchen Einrichtung für Wien in der damaligen Situation einige Zeit vor 1989 (!) begriff. Die beiden sorgten rasch über die polnische Schiene für internationale Unterstützung auch über den Atlantik. Die Namen, die heute für das Institut stehen, sind beeindruckend, wenngleich sich das Ziel durch die Jahre und Ereignisse gewandelt hat.

Dank an spröden Partner

Michalski selbst war ein spröder Partner, auch hatte er es mit den Universitäten in Österreich nicht leicht. Eine Gastprofessur, die ich ihm an der Universität Wien vermittelte, scheiterte, weil dort damals die Chance zur Internationalisierung aus Neidmotiven nicht verstanden wurde. Die Integration unter den Intellektuellen in der Politik ist ihm aber geglückt. Nicht nur dafür sind wir ihm zu Dank verpflichtet. Um es kurz zu machen: Das IWM ist wohl die beeindruckendste internationale Einrichtung der Geistes- und Sozialwissenschaften in Österreich.

Es ist zu hoffen, dass die Weiterführung gelingt, wobei die internationale Finanzierung durch Institutsfreunde wie Lord George Weidenfeld, George Soros und German Marshall Fund genauso wenig verkannt werden sollte wie das Engagement der Erste-Stiftung. Prominente Namen wurden zu eindrucksvollen Veranstaltungen im Burgtheater vereint, wobei wohl das Stipendienprogramm für junge Wissenschafter aus Mittel- und Osteuropa noch bedeutender ist. Das ist beste Nachwuchsförderung, die wir in Österreich brauchen können, wobei auch Gelder verwendet werden, die nicht aus Österreich kommen. Es ist zu hoffen, dass auch das weitergeht.

Trotz einer nicht imponierenden Behandlung durch die österreichische Wissenschaft hat der Pole Michalski für uns unendlich viel geleistet.

Zur Person



Erhard Busek

Der 71-jährige Jurist und ÖVP-Politiker war von 1978 bis 1987 Wiener Vizebürgermeister und von 1991 bis 1995 Vizekanzler. Er initiierte das IWM mit und ist auch Vorstand des Instituts für den Donauraum und Mitteleuropa sowie Ehrenpräsident des Europa-Forums Alpbach.