Wien. Dass das Österreichische Rote Kreuz mehr ist als eine Blaulichtorganisation, das möchte der neue Präsident Gerald Schöpfer aufzeigen. In der Vorwoche folgte er in diesem Amt Fredy Mayer nach. Seine Ziele als "oberster Freiwilliger" für das Österreichische Rote Kreuz und die Freiwilligenarbeit an sich berichtet er im "Wiener Zeitung"-Interview.

"Wiener Zeitung": Sie kommen aus der Politik und sind nun "oberster Freiwilliger" - ein Widerspruch? Oder kommt Ihnen beim Lukrieren Freiwilliger Ihr politisches Geschick zugute?

Gerald Schöpfer: In diesem Sinne ja, das Rote Kreuz ist aber streng überparteilich. Die Parteipolitik hat hier nichts zu suchen.

Welches ist Ihr primäres Ziel als Präsident des Roten Kreuzes?

Dass wir nicht mehr nur als Blaulichtorganisation wahrgenommen werden. Wir bieten auch Hilfe für Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben. In jedem Bundesland gibt es einen Migrationsbeauftragten, um im Sinne der Integration mehr Menschen mit Migrationshintergrund für freiwillige Tätigkeiten zu gewinnen. Ein großer Wurf ist meiner Ansicht nach mit dem neuen Staatsbürgerschaftsgesetz gelungen: Migranten können bereits nach sechs Jahren die Staatsbürgerschaft erhalten, wenn sie drei Jahre lang ehrenamtlich tätig waren.

Wie viel Geld erspart sich der Staat durch die Freiwilligentätigkeit?

Beim Roten Kreuz arbeiten rund 60.000 freiwillige Mitarbeiter, die 10,6 Millionen Dienststunden pro Jahr erbringen. Das entspricht 287 Millionen Euro. Mehr als 4000 Zivildienstleistende haben im Vorjahr ihren Dienst bei uns gemacht - 70 bis 80 Prozent von ihnen bleiben beim Roten Kreuz. Freiwillige sind die wahren Helden der Gegenwart.

Welche Kosten wären auf uns zugekommen, wenn die Volksbefragung im Jänner mit einem Ja zum Berufsheer ausgegangen wäre - und Freiwilligenorganisationen ihre Zivildiener verloren hätten?

Wir sind froh über die Beibehaltung der Wehrpflicht. Zivildiener sind äußerst wertvoll - müssten sie durch hauptberufliches Personal ersetzt werden, würde das allein beim Roten Kreuz Mehrkosten von rund 140 Millionen Euro jährlich verursachen.

Als Alternative zum Zivildienst stand ja - im Falle eines Berufsheeres - das bezahlte freiwillige soziale Jahr im Raum, das mit 1386 Euro monatlich entlohnt werden hätte sollen. Ist bezahlte Arbeit noch freiwillig?