Wien. Wer am heutigen Valentinstag einen Strauß Margeriten von seinem Partner überreicht bekommt, sollte vielleicht die Beziehung überdenken. Vorausgesetzt, der Geber ist der Blumensprache mächtig. Die Margerite heißt nämlich übersetzt: "Lass mich in Frieden." Wer die Blumensprache beherrscht, kann äußerst beredt überzeugen - ohne auch nur ein Wort zu sprechen.

Sie gerät allerdings zunehmend in Vergessenheit. Nicht einmal mehr die Gärtner und Floristen wird sie gelehrt. "In der Ausbildung wird die Blumensprache heute nicht mehr berücksichtigt", sagt Lorenz Pridt, Landesinnungsmeister der Wiener Gärtner und Floristen, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Es frage auch kaum ein Kunde danach.

Vor mehreren Jahrhunderten war das anders. Damals war sie eine weitverbreitete Form der nonverbalen Kommunikation. Sie stammt aus dem Orient, auch zahlreichen ägyptischen Hieroglyphen liegen Pflanzen und Blüten zugrunde. Erst die englische Schriftstellerin Lady Mary Wortley Montagu brachte die Blumensprache nach Europa. Als sie am 1. August 1716 zum ersten Mal in die Türkei reiste, berichtete sie in ihren Briefen in die Heimat aus dem Orient von der "Kommunikation mit Blumen". Nur wenige Jahrzehnte später schrieb die Französin Charlotte de Latour "Les Emblèmes des Fleurs" (frei übersetzt: "Die Symbolik der Blumen"), was als Geburtsstunde der Blumensprache in Europa gilt.

Mit der Zeit entstand ein umfangreiches Zeichensystem. Eine Art Geheimsprache, bei der nicht nur Farbe und Sorte, sondern jedes einzelne Detail an einem Blumenstrauß an Bedeutung gewann. Das System wurde zunehmend komplizierter. Was man anfangs etwas holprig mit Sträußen aus einer einzigen Blumenart ausdrücken wollte, war später um vieles differenzierter mit penibel zusammengestellten Mischungen möglich.

Kompliziert wie


eine Fremdsprache


War es, wie man die Schleife band, ob die Blüten hängende oder aufrecht stehende Köpfe hatten oder wie man den Strauß überreichte: Nichts von all dem durfte unüberlegt passieren, um sein Gegenüber ja nicht zu verletzen oder ihm grundlos Hoffnungen zu machen. Zeigten die Blüten zum Beispiel nach unten, kehrte sich die Bedeutung der Blumen ins Gegenteil. Überreichte ein Mann einer Dame einen Ansteckstrauß, kam das einer Einladung zu einem Ball gleich. Die Antwort war nicht minder eindeutig. Steckte die Dame den Strauß an die Brust, erwiderte sie damit die Zuneigung. Wanderte er ins Haar, musste der Verehrer alleine zum Ball - oder bei einer anderen sein Glück versuchen.