- © Tabor Gus/Corbis
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Wien. Die Wetteraussichten für diese Woche: Sommerliche Temperaturen und viel Sonnenschein. Warum machen uns diese Zeilen glücklich? Warum geraten wir dadurch viel eher in Ekstase, als wenn an dieser Stelle stehen würde: Bewölkt, gewittrig und kalt. Warum ist allein die Vorstellung von Sonne so berückend?

"Es ist ein komplizierter Regelkreislauf, die Summe psychologischer und physiologischer Faktoren", sagt Günther Sejkora, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Licht in Dornbirn in Vorarlberg, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Eine wesentliche Rolle dabei spiele das "Glückshormon" Serotonin: ein Botenstoff, der Informationen zwischen den Nervenzellen weitergibt und zu biochemischen Veränderungen im Gehirn führt. Genauer gesagt die Vorsubstanzen, aus denen Serotonin gewonnen wird.

"Durch eine hohe Sonneneinstrahlung werden mehr dieser Substanzen erzeugt - der Körper kann mehr Serotonin bilden", sagt Sejkora. Auch Zucker fördere die Produktion dieser Vorsubstanzen. Daher rühre der verstärkte Drang, bei Kummer etwas Süßes zu naschen. Dass diese Art der Serotonin-Bildung allerdings meistens mit einer Gewichtszunahme einhergeht, mache sämtliche Glücksgefühle wieder zunichte. Sejkora: "Mit Tageslicht funktioniert das besser."

Sonne macht aber nicht nur glücklich. Sie hat eine weitere, mindestens genauso wichtige Funktion inne: Das Sonnenlicht steuert unsere innere Uhr. Wir brauchen es also auch, um zu schlafen. Bei demenzkranken Menschen funktioniert diese innere Uhr aufgrund einer physiologischen Störung des Gehirns oft nicht. Zudem können sie aufgrund ihrer schlechten körperlichen Verfassung oder diverser Krankheiten selten ins Freie. Untertags sind sie müde, nachts geistern sie schlaflos durch die Gänge.

Sejkora brachte daher im Zuge eines Projektes das Sonnenlicht zu den Menschen. Gemeinsam mit seinem Forscherteam passte er in zwei Wiener Altersheimen der Caritas Socialis (am Rennweg in Wien-Landstraße und in Kalksburg in Liesing) die Innenbeleuchtung dem Rhythmus des Sonnenlichts an. Die Versuchsperiode lief ein Jahr lang, pro Patient wurden bis zu 10.000 Einzeldaten gesammelt. Im Herbst dieses Jahres soll die Auswertung laut Sejkora abgeschlossen sein. Von dem Ergebnis hänge ab, ob Beleuchtungen wie diese künftig in weiteren Altersheimen angewandt und vielleicht einmal sogar zur Grundausstattung gehören werden.