Der DNA-Abgleich für den Vaterschaftstest passiert über die Mundschleimhaut von Vater und Kind. - © fotolia/fairith
Der DNA-Abgleich für den Vaterschaftstest passiert über die Mundschleimhaut von Vater und Kind. - © fotolia/fairith

Wien. Der Kuckuck legt seine Eier in der Dämmerung innerhalb weniger Sekunden in die Nester kleinerer Singvögel ab. Die Täuschung ist fast perfekt: Das Kuckucksei ist nur minimal größer als die Eier der Singvögel, Farbe und Muster sind angepasst. Sobald der junge Kuckuck geschlüpft ist, lässt er sich füttern - oft bis zur völligen Erschöpfung der falschen Eltern. Dabei wächst er zu deren mehrfacher Größe heran. Dass er nicht von ihnen stammen kann, ist dann nicht mehr zu übersehen.

Bei den Menschen ist es nicht so leicht, ein Kuckuckskind zu erkennen. Väter werden mitunter ein Leben lang getäuscht, ziehen ein oder mehrere Kinder groß, ernähren sie und finanzieren ihre Ausbildung mit, obwohl sie rein genetisch gar nichts mit ihnen zu tun haben. Selbst wenn der vermeintliche Vater Ähnlichkeiten zu entdecken glaubt - zu hundert Prozent sicher kann er in den seltensten Fällen sein, dass das Kind sein eigenes ist.

Tests werden meistens im Zuge einer Scheidung durchgeführt


Mit der Scheidungsrate steigt das Misstrauen. Und damit die Zahl der Vaterschaftstest, sagt die Wiener Genetikerin Susanne Haas zur "Wiener Zeitung". Sie ist Sachverständige für die menschliche Erbbiologie und leitet die Confidence DNA-Analysen GmbH, eines der rund zehn privaten DNA-Labors des Landes, in denen Vaterschaftstests durchgeführt werden. Österreichweit seien es bereits 4000 Tests pro Jahr, so Haas - in jedem vierten Fall (25 Prozent) stelle sich heraus, dass der Mann nicht der Kindesvater ist. Wer einen Vaterschaftstest durchführen lässt, hegt freilich schon einen gewissen Verdacht. Die österreichweite Kuckuckskind-Rate ist aufgrund der hohen Dunkelziffer nicht mit konkreten Zahlen belegbar. Schätzungen zufolge haben sieben Prozent der Kinder einen falschen Papa.

Der DNA-Abgleich für den Vaterschaftstest passiert über die Mundschleimhaut von Vater und Kind. - © fotolia/fairith
Der DNA-Abgleich für den Vaterschaftstest passiert über die Mundschleimhaut von Vater und Kind. - © fotolia/fairith

Nur selten kommt die Wahrheit ans Licht. Nach der Geburt des Kindes können Jahre vergehen, bis ein Mann seine Vaterschaft überhaupt erst infrage stellt und ihm die ersten Zweifel kommen. "Erst wenn es Beziehungskrisen gibt, wird der Mann neugierig", sagt Haas. Die meisten Vaterschaftstests würden im Zuge einer Scheidung durchgeführt.

"Die Angst vor Kuckuckskindern ist eine Urangst jedes Mannes, ein archaisches Phänomen", so Haas. Die Familie des Mannes trage diese Urangst ebenfalls in sich und achte daher besonders genau auf Ähnlichkeiten in Aussehen und Charakter. "Der Großvater väterlicherseits kann doppelt unsicher sein, ob die Nachkommen auch wirklich von ihm stammen", sagt Haas.