Wien/Innsbruck. 31 Millionen Kubikmeter Wasser sollen sich in Zukunft in Kühtai hinter einer 113 Meter hohen Mauer stauen. Das bringt eine Energieleistung von etwa 140 Megawatt zusätzlich. Vier Jahre nach der Einreichung der Ausbaupläne der Pumpspeicher-Kraftwerksgruppe Sellrain-Silz in Tirol finden von 27. bis 31. Oktober die öffentlichen Verhandlungen zur Umweltverträglichkeitsprüfung des Großprojektes in Innsbruck statt. Der Baubeginn ist 2018 geplant. 2023 soll der Ausbau fertig sein.

Die geplante Erweiterung im Tiroler Oberland klingt ambitioniert (siehe Grafik). Neben dem neuen Speicher in Kühtai soll ein weiterer Pumpspeicher "Kühtai 2" entstehen. Zusätzlich wird ein Treibwasserweg zwischen dem bestehenden Speicher Finstertal und Kühtai mit Begleitstollen gebaut. Dafür nimmt der Betreiber, die Tiroler Wasserkraft (Tiwag), knapp 520 Millionen Euro in die Hand. In Tirol sind derzeit 1100 Kraftwerke in Betrieb. Allein die Tiwag-Werke erzeugen jährlich 3200 Gigawattstunden Strom. Die Landesregierung strebt bis 2050 Energieautonomie an. Das heißt, dass der gesamte Energiebedarf Tirols auch im Land, möglichst umweltschonend, erzeugt werden soll. Und dazu gehört auch der Ausbau der erneuerbaren Wasserkraft.

Naturschützer gegen Wasserkraft


Ausgerechnet Umweltschützer laufen nun gegen das geplante Projekt und gegen weitere 60 eingereichte Kraftwerksprojekte Sturm. Vergangene Woche sprachen sich Umweltaktivisten, Interessensvertreter und Bürgerinitiativen - darunter der WWF, der Österreichische Alpenverein, die Naturfreunde und der Raftingverband - in einem "Naturschutzmanifest" gegen den weiteren Ausbau der Wasserkraft in Tirol aus. "Der Österreichische Alpenverein fordert aufgrund der herrschenden ,Goldgräber-Mentalität‘ - jedem Tal sein Wasserkraftwerk, jedem Tal seine Seilbahnen - eine nachsichtige alpine Raumordnung im Einklang mit der Alpenkonvention", heißt es in der Aussendung. Der Raftingverband warnt davor, dass durch das Umleiten von Wildbächen der Raftingsport und der Tourismus Verluste hinnehmen müssen. "Es gibt in diesen Bereichen hochwertige Tier- und Pflanzenarten. Moosböden sind dort über Jahrhunderte gewachsen. Ich kann nicht einfach einen Lebensraum umsiedeln", sagt Tirols Umweltanwalt Johannes Kostenzer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Und genau das plant der Betreiber beim aktuellen Ausbau. So sollen etwa Murmeltiere und Ameisenhügel umgesiedelt werden.