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Wien. 2015 bietet sich mit seinen fünf Fenstertagen geradezu dazu an, den Top-Neujahrsvorsatz nach mehr Erholung häppchenweise umzusetzen. Doch hat der Städtetrip am Wochenende wirklich denselben Effekt wie ein langer Urlaub? "Medizinisch gesehen ist klar: Für wirkliche Erholung braucht man mindestens zwei, besser drei Wochen Urlaub", sagt Freizeitforscher Peter Zellmann. "Die meisten kommen erst nach einer Woche runter, nach drei Tagen kann sich kein Mensch wirklich erholen. Ein Kurztrip ist also immer nur die zweit- oder drittbeste Wahl." Und er ergänzt: "Aber wer hat heute schon die Zeit und kann es sich leisten, wochenlang wegzufahren?"

Regeneration ab einer Woche

Fünf Wochen Urlaub sind ein knappes Gut, die derzeit diskutierte sechste Urlaubswoche ist für viele Menschen längst nicht Realität. Deshalb empfiehlt es sich, im neuen Jahr die vielen langen Wochenenden, die sich durch günstig gelegene Feiertage ergeben, in die Planung miteinzubeziehen. Aber soll man den Urlaub horten und auf Wochenendtrips zugunsten eines langen Urlaubs verzichten? "Es gibt kein Patentrezept. Wir sollten lernen, in uns hineinzuhören, jeder sollte ausprobieren, was seinem Typ entspricht", sagt Zellmann.

Feststeht: Die psychische wie physische Regeneration beginnt in der Regel erst nach einer Woche. "Insbesondere junge Menschen können aber auch in drei bis vier Tagen diesen Erholungswert erzielen. Zwickeltage sind also für einen relativ großen Teil geeignet, ihre Jahreserholung zu erhöhen." Aber was ist sinnvoller, die Städtereise nach Istanbul oder das Wochenende in der Therme? Der Urlaub sollte sich an dem Alltag orientieren und dann entweder Kontrast- oder Komplementärprogramm sein, so Zellmann. Ist man im Job viel auf den Beinen, ist der Städtetrip vielleicht nicht unbedingt das Richtige. Doch auch hier gibt es kein Patentrezept: "Manchmal will man in eine ganz andere Welt eintauchen, einen bewussten Gegensatz. Dann wieder sucht man etwas, das zum eigenen Leben passt, zum Beispiel einen Kultururlaub."

Noch vor 15 Jahren urlaubte man anders: ein großer Urlaub pro Jahr, oft jedes Jahr dasselbe. Heute urlauben die meisten öfter, aber kürzer, setzten einmal auf Kontrast-, dann wieder auf Komplementärprogramm. "Das ist ein Vorteil für beide Seiten; für Anbieter wie für Nachfragende", so Zellmann. Doch auch mischen ist möglich: Bei einem langen Erholungsurlaub sollten auch einige wenige "hochaktive Tage" dabei sein, empfiehlt der Freizeitforscher. Und was kann dagegen getan werden, damit der Erholungseffekt nicht allzu schnell wieder verpufft? Manchmal würde man die Erholung gar nicht wahrnehmen, meint Zellmann, und rät dazu, sich nichts einreden zu lassen: "Man muss an die Erholung glauben."

Daheimbleiben als Qualität


Die größte Gruppe der Urlauber verbringt die freien Tage übrigens in den eigenen vier Wänden: 40 Prozent fahren nicht weg, gefolgt von den Inlandsurlaubern, erst dann folgen jene, die ins Ausland fahren - für die Österreicher geht die Reise meist nach Italien, Deutschland und Kroatien.

Auch hier gibt es eine neue Entwicklung: Nicht mehr nur jene verbringen ihre Urlaubstage zu Hause, die sich keine Reise leisten können. "Die Menschen erleben es als Lebensqualität, zuhause zu bleiben. Früher hat man das vielleicht verheimlicht, weil Daheimbleiben nahegelegt hat, man könnte sich das Reisen nicht leisten. Das ist heute anders." Urlaub auf Balkonien statt Luxusreise? Die Touristiker wird’s nicht freuen.