Wien. Noch nie war ein Jahr so heiß wie 2015. Zumindest seit Beginn der Wetteraufzeichnungen nicht. Ein Wetterrekord jagt den nächsten: Noch nie gab es in den letzten 248 Jahren einen heißeren Juli. Und noch nie gab es mehr "Wüstentage", an denen die Temperatur über 35 Grad Celsius steigt.

"11 Wüstentage wurden bisher  an der Wetterstation Hohe Warte in Wien gezählt. Bis Ende der Woche erhöht sich in Wien die Zahl der Wüstentage wahrscheinlich auf 15, das sind mehr als in den letzten 10 Jahren zusammen", erklärt Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Neuer Rekord an "Wüstentagen"

Nicht nur die langen Hitzeperioden sind heuer ungewöhnlich, sondern auch die vielen Tage mit hohen Temperaturen. "In einigen Regionen gab es in den letzten Jahrzehnten pro Jahr noch nie so viele Tage mit mehr als 35 Grad", sagt Robert Klonner von der ZAMG.

Die Klimaexperten der ZAMG sehen vor allem drei Faktoren, die in diesem extrem heißen Sommer zusammenspielen: Erstens ist durch die Klimaerwärmung der vergangenen Jahrzehnte das Temperaturniveau deutlich höher als früher. Zweitens liegt heuer der sehr sonnige und heiße Bereich des subtropischen Hochdruckgürtels weiter im Norden als in durchschnittlichen Jahren. Drittens sind die Böden in Süd-und Mitteleuropa heuer extrem trocken, wodurch der kühlende Effekt durch Verdunstung entfällt und sich auch weniger Gewitter bilden.

Drastische Ernteausfälle

Während die heißen Tage immerhin erfreulich für die Tourismusbranche sind, leidet die Landwirtschaft unter den Folgen der Gluthitze. "Wir rechnen mittlerweile mit deutlich mehr als 100 Millionen Euro Dürreschäden in der Landwirtschaft. Zudem verzeichnen wir mehr als 30 Millionen Euro Schaden durch die schweren Hagelereignisse bis Ende Juli", so Kurt Weinberger, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Hagelversicherung. Derartige Wetterextreme seien keine Jahrhundertereignisse mehr. "Schweregrad und Intensität solcher Naturkatstrophen nehmen zu", meint Weinberger. Er rechnet mit drastischen Ernteausfällen bei Mais, Kürbis, Sonnenblumen, Sojabohnen und Kartoffeln. Auch das Grünland ist betroffen.

Stromverbrauch höher

Wegen der Hitze werden vermehrt Klimaanlagen und Kühlgeräte eingesetzt. Sie haben in den vergangenen Tagen den Stromverbrauch in Wien und in Niederösterreich erhöht. Er liegt aber nach wie vor unter den Höchstwerten des Winters, melden Wien Energie und EVN.

Im Versorgungsgebiet der Wiener Netze wurden am Donnerstag der Vorwoche 33.410 Megawattstunden (MWh) Strom verbraucht. Das entspricht zirka dem durchschnittlichen Jahresstromverbrauch von 10.000 Haushalten. Durchschnittlich wird laut Wien Energie im Juli und August nur um rund 15 Prozent weniger Strom verbraucht als im Winter. Den höchsten jemals gemessenen Winterverbrauch gab es laut Wien Energie am 13. Jänner 2009 mit 40.334 MWh.

Auch im Versorgungsgebiet von Netz Niederösterreich hat sich der Strombedarf erhöht. Am Nachmittag sei der Verbrauch derzeit um knapp 10 Prozent höher als an üblichen Sommernachmittagen, hieß es aus der EVN zur APA. Im Winter werde aber immer noch deutlich mehr Strom verbraucht. Aktuell liege die abgerufene Leistung bei rund 1.000 Megawatt (MW), im Winter seien es rund 1.400 MW.

An extrem heißen Tagen laufen auch in Wien vermehrt Klimaanlagen, von Dimensionen wie in den USA sei man aber weit entfernt, so die Wien Energie. Im Juli und August befinden sich wegen der Ferienzeit weniger Menschen in der Stadt, deshalb wird generell weniger Strom verbraucht als in den Wintermonaten. Aber eben nicht so viel weniger wie in normalen Sommern.

Es bleibt heiß

Das Wetter in Österreich bleibt auch zumindest bis Freitag
hochsommerlich. Im Großteil des Landes liegen die Höchstwerte in den
nächsten Tagen zwischen 30 und 38 Grad, wobei es im Osten am heißesten
wird. Einige Regenschauer und Gewitter bilden sich in den nächsten Tagen
am ehesten in der Westhälfte Österreichs. Erste Signale für ein Ende
der Hitzewelle zeigen die Vorhersagemodelle der ZAMG für Sonntag und den
Beginn der nächsten Woche.