Der Reiter fällt, die Lanze bricht, das Publikum jubelt. - © Klaus Hofmann
Der Reiter fällt, die Lanze bricht, das Publikum jubelt. - © Klaus Hofmann

Das Wetter hat bisher mitgespielt - obwohl es manchen dann doch ein bisschen zu heiß geworden ist. Und zwar nicht nur den mehr als 270 Darstellern, die zum Teil in voller Rüstung an die denkwürdige Ritterschlacht zwischen den Heeren von Ottokar II. Przemysl und Rudolf I. von Habsburg im Jahr 1273 erinnern. Noch bis Sonntagabend wird in Jedenspeigen im Weinviertel die Uhr um knapp 750 Jahre zurückgedreht.

Und das bedeutet für den kleinen Ort, der einst am Rande des Schlachtfeldes der zweitgrößten Ritterschlacht der Geschichte lag, einen wahren Ausnahmezustand. "Jedenspeigen hat etwa 1100 Einwohner - und rund 350 davon helfen ehrenamtlich bei den Ritterspielen mit", erklärt Edwin Zirnsack vom Organisationskomitee. Nur so ist der große Aufwand bewältigbar, der jedes zweite Jahr (in den geraden Jahren ist das Mittelalterfest in der Nachbargemeinde Dürnkrut) hier betrieben wird, wenn sich Zelt an Zelt reiht und an den zwei Tagen Mitte August bis zu 15.000 Besucher ins Dorf strömen.

Kinder finden Ritter toll, das ist einfach so. - © Klaus Hofmann
Kinder finden Ritter toll, das ist einfach so. - © Klaus Hofmann
Bei den Infanteristen geht es ebenfalls heiß her. - © Klaus Hofmann
Bei den Infanteristen geht es ebenfalls heiß her. - © Klaus Hofmann

Und die kommen genauso aus dem In- und nahen Ausland wie die Schausteller und Ritterdarsteller, die fürs Fest gebucht wurden. Wobei Zweitere in der Mehrzahl (Semi-)Profis sind, während Erstere für ein Wochenende in eine Art zweite Haut schlüpfen und ihrem Hobby frönen, das sich oft total vom Hauptberuf unterscheidet: Da wird der Schweizer Krankenpfleger zum Schmied oder der Wiener Gemeindebedienstete zum Bogenschützen. Es gibt also viel zu schauen für Große und Kleine, vom handbetriebenen Karussell bis zum Kinderschminken. "Wir wollen kein Mittelalterfest nur für Erwachsene bieten, sondern es soll etwas für die ganze Familie sein", erklärt Zirnsack.

An beiden Tagen, Samstag und Sonntag, kommt es mehrmals in der Arena zum Showdown, den die "Ritter der böhmischen Krone" gestalten, die zum Teil schon zwei Jahrzehnte Erfahrung haben und heuer zum zehnten Mal dabei sind. Fast im Stundentakt gibt es von 12 bis 19 Uhr abwechselnd Schaukämpfe und Turniere zu Pferd. Und während die Daheimgebliebenen ins TV-Hauptabendprogramm starten, gibt es um 20.15 Uhr noch eine Feuershow. In Zeiten, in denen Mittelalterfeste boomen - die nächsten steigen zum Beispiel im September in Laxenburg  -, muss man sich schließlich etwas Besonderes einfallen lassen, um die Massen zu locken. Weshalb es für den Ort sicher nicht so schlecht ist, dass die vielen freiwilligen Helfer, die in den vergangenen Wochen in die Vorbereitungen eingespannt waren, nächstes Jahr wieder eine Verschnaufpause bekommen und den Dürnkrutern bei der Organisation zuschauen können, bevor es im August 2021 dann wieder in Jedenspeigen rundgeht . . .

Auch Gaukler dürfen nicht fehlen. - © Klaus Hofmann
Auch Gaukler dürfen nicht fehlen. - © Klaus Hofmann