Bestens integriert


Wie wichtig eine deutliche Präsenz der Orthodoxie im öffentlichen Raum ist, betont Mirko Kolundzic, Sprecher der Orthodoxen Bischofskonferenz, denn "wir Orthodoxen sind so gut integriert, dass wir kaum wahrgenommen werden". Metropolit Arsenios von der griechisch-orthodoxen Kirche, der Vorsitzende der Orthodoxen Bischofskonferenz, formuliert es im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" so: "Wir halten uns an das Motto: Tu Gutes, aber sprich nicht zu laut darüber. Wir verfolgen keine aggressive Medienpolitik, sondern arbeiten einfach. Das heißt aber nicht, dass wir nicht an die Öffentlichkeit gehen wollen und dass die Öffentlichkeit uns nicht interessiert." Schließlich haben die orthodoxen Kirchen nicht nur immer mehr Mitglieder, sondern sind auch immer mehr an Schulen durch den Religionsunterricht präsent.

Natürlich ist auch innerhalb der Orthodoxie nicht alles nur rosig, stellt der Metropolit klar: "Skandale gibt es überall. In jeder Familie gibt es Probleme - aber es bleibt eine Familie, und Lösungen werden innerhalb der Familie gesucht. Uns verbindet der Glaube an Gott und Jesus."

Auch zur aktuellen Flüchtlingskrise bezieht Arsenios Stellung: "Natürlich ist jetzt die Hilfsbereitschaft, die Liebe zum Menschen, der leidet, wichtig. Wir empfangen diese Menschen mit anderen Religionen, die zu uns nach Europa kommen, mit offenem Herzen. Aber wir sind auch wachsam. Und wir erwarten als Antwort auf unsere christliche Nächstenliebe umgekehrt ihren Respekt." Wobei er einen kleinen Vorteil darin sieht, dass die Orthodoxen in der Vergangenheit schon verschiedene Erfahrungen unter anderen Religionen gesammelt haben.

"Christen bleiben in Syrien"


Besonders betroffen von der Flüchtlingskrise sind natürlich die syrischen Kirchen, von denen es in Österreich insgesamt drei gibt: die syrisch-orthodoxe Kirche (die zur orientalisch-orthodoxen Kirchenfamilie gehört), das Patriarchat von Antiochien und einen südindischen Zweig. Der in Damaskus geborene Metropolit Isaak vom Patriarchat von Antiochien berichtet, dass seine Kirche die zahlenmäßig größte in Syrien ist.

Seiner Schätzung nach sind derzeit nicht einmal ein Prozent der Flüchtlinge Christen. "Die meisten bleiben in Syrien oder den Nachbarländern. Sie wollen nicht in Schlauchbooten oder Lkw illegal nach Europa kommen, sondern versuchen Visa zu bekommen. Das ist aber in Jordanien, dem Libanon und der Türkei extrem schwierig." Die meisten syrischen Christen gehen auch nicht in die großen Flüchtlingslager, sondern kommen in Kirchen und Klöstern vor Ort unter. "Das ist aber auch ein Problem, denn die Hilfsorganisationen holen meistens nur Flüchtlinge aus den Camps."

Emanuel Aydin, Chorepiskopos und Pfarrer der syrisch-orthodoxen Kirche St. Ephrem in Wien, meint hingegen: "Wer einen Weg findet, der flüchtet. Wir hatten in Syrien lange Ruhe, die Menschen haben friedlich zusammengelebt. Jetzt versuchen wir den Flüchtlingen in Österreich zu helfen, wo es geht." Ohne die Unterstützung der katholischen Kirche wäre das schwieriger, sagen beide.

Die Islamophobie in Österreich kann Metropolit Isaak bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. "Ich glaube, das ist normal. Aber ich hoffe, dass sich das nach und nach beruhigen wird, wenn die islamischen Flüchtlinge sich in die Gesellschaft integrieren." Er würde sich jedenfalls wünschen, dass "alle etwas entspannter an diese Situation herangehen".