Wien. Genau genommen hatte man bis Mitternacht des Faschingsdienstag Zeit. Wer danach noch nicht alle Krapfen aufgegessen hatte, wird die übrig gebliebenen wohl entsorgen müssen -sofern er sich an die christliche Tradition der Fastenzeit hält und sich ab Aschermittwoch beim Essen zurückhält. 40 Tage lang bis Ostern (an den sechs Sonntagen wird nicht gefastet) müsste er durchhalten, bevor er zum Fest der Auferstehung Jesu wieder völlern darf.

Klingt nach kargen Wochen voller Entbehrungen und ohne die täglichen Glücksmomente beim Essen. Genau das Gegenteil sei aber der Fall, sagt die Ernährungsmedizinerin Sonja Schwinger im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Fasten im Sinne einer stark reduzierten, fast ausschließlich flüssigen Kost, wirke sich nicht nur positiv auf den Körper, sondern auch auf die Seele aus.

Freilich sei vor allem die Anfangszeit oft mit Krisen verbunden. Kopfweh, Müdigkeit, ein allgemeines Schlappheitsgefühl und auch eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionskrankheiten zählen dazu. Doch schon in den ersten Tagen kann laut Schwinger ein Effekt eintreten, der jenem eines Antidepressivums gleichkommt: Dadurch, dass beim Fasten vermehrt Serotonin ausgeschüttet wird, fühlt man sich glücklich, mitunter euphorisiert. Serotonin wird auch Glückshormon genannt. "Die Entgiftung findet somit nicht nur auf körperlicher, sondern auch auf psychischer Ebene statt", sagt Schwinger.

Die Entgiftung auf körperlicher Ebene habe aber vor allem einen Haken: Wer in der Zeit des Fastens nicht genug trinkt, behält das Gift im Körper - konkret in Niere und Leber. Schwinger rät daher, viel zu trinken, "damit der Körper die Möglichkeit hat, die Giftstoffe auszuscheiden". Schwangere und Stillende sowie Kinder sollen daher keine Fastenkuren machen.

Gleichzeitig könne eine Fastenkur dazu führen, dass etwaige Pilze, die im Verdauungstrakt leben, bei Zuckerentzug durch die Darmschleimhaut ins Gewebe eindringen und über das Blut in weitere Organe gelangen. Denn Zucker ist die Nahrung der Pilze. Heißhunger auf Süßes kann laut Schwinger auf den Hunger der Pilze zurückzuführen sein. Anders merkt man deren Existenz nicht. Sie sind aber weit verbreitet. Denn "jeder, der einmal Antibiotika bekommen hat, muss Pilze haben", so Schwinger. Falls man nichts gegen diese unternimmt, könne Fasten kontraproduktiv sein.