Wien. Auf den ersten Blick zeichnet die Zahl der an Tuberkulose (TB) erkrankten Menschen ein positives Bild: In Österreich als auch weltweit sinkt diese. Aktuell erkranken rund 10 Millionen Menschen weltweit an dieser Infektionskrankheit mit den häufigsten Todesfällen - etwa 1,5 Millionen von ihnen sterben daran. In Österreich habe es 2014 insgesamt 582 Fälle gegeben, 2015 seien es vorläufigen Schätzungen zufolge 579, sagte Alexander Indra von der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit am Mittwoch. 1954 gab es noch fast 12.000 Neuerkrankungen.

Anlässlich des Welttuberkulosetages am 24. März wurden die neuesten Trends präsentiert. Diese zeigen aber noch etwas anderes sehr deutlich: Die Gesamtzahl der TB-Fälle in Österreich sinkt zwar -der Anteil der Erkrankungen bei Nicht-Österreichern steigt aber stark an und liegt bereits bei 60 Prozent.

Denn während reichere Länder wie Österreich ständig an einer noch gezielteren TB-Früherkennung und Therapie arbeiten und dadurch die Zahl der Fälle minimieren, werden in ärmeren Ländern nur Standardtherapien angewandt. Mitunter sind selbst diese nicht erschwinglich, obwohl eine sechsmonatige Standardtherapie in Entwicklungsländern nur 100 Dollar (entspricht etwa 90 Euro) und bei uns 300 Euro kostet. Wird nicht adäquat behandelt, können sich laut dem TB-Experten Rudolf Rumetshofer vom Otto-Wagner-Spital sogar resistente Stämme bilden. Ist man erst einmal daran erkrankt, koste eine Therapie bis zu 170.000 Euro.

Die Ansteckungsgefahr sei aber nicht übermäßig hoch, ergänzte der Präsident der Pneumologengesellschaft, Meinhard Kneussl. Dafür brauche es einen engen Kontakt mit einem hochinfektiösen Patienten - und zwar über sechs bis acht Stunden. Symptome einer Erkrankung könnten chronischer Husten, Gewichtsverlust, Nachtschweiß und leichtes Fieber sein.

Angst vor Polio wächst


Ob man nun tatsächlich TB hat, lässt sich Kneussl zufolge auf mehrere Arten feststellen. Ein Thoraxröntgen bringe schon viel an Klarheit. Dann folge ein Schnelltest auf Erreger-Erbsubstanz, dessen Ergebnisse nach zwei Stunden vorliegen könnten. Gleichzeitig werde eine Bakterienkultur angelegt. Laut Kneussl kann das zwei bis acht Wochen lang dauern, deshalb werde mit der Therapie sofort begonnen.

Flüchtlingsexperte Kilian Kleinschmidt, der Berater des Innenministeriums ist, betont im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", dass bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen zwar sämtliche medizinische Untersuchungen durchgeführt würden - bei all jenen, die nicht um Asyl ansuchen, falle das aber weg. Weitaus größere Sorgen bereite ihm die Infektionskrankheit Poliomyelitis, auch Kinderlähmung genannt. 2013 gab es in Syrien erstmals nach 1999 wieder Polio-Fälle. Viele Kinder seien nicht geimpft, so Kleinschmidt. Experten raten daher, alle, die in Erstaufnahmezentren aufgenommen werden, gemäß dem aktuellen Impfplan zu impfen.