Islamfeindliche Delikte wie dieser an einer Moschee in Wien werden untersucht. - © apa/Helmut Fohringer
Islamfeindliche Delikte wie dieser an einer Moschee in Wien werden untersucht. - © apa/Helmut Fohringer

Wien. Esra Erkin (Name geändert, Anm.) sitzt in der U6. Zwei Männer steigen ein, bemerken sie und gehen auf sie zu. Beide fangen an, sie zu beschimpfen. Esra ignoriert dies. Während einer der beiden Männer "bei den Scheiß-Moslems braucht man Gesichtsschutz" ruft, hält ihr der andere die Hand vor das Gesicht. Die Erniedrigungen dauern an. Als Reaktion auf ihr fortlaufendes Schweigen setzen die beiden Männer noch eins drauf. "Schaut’s euch die an. Die ist taub und bekommt das nicht einmal mit", sagt der eine. Esra weiß sich nicht anders zu helfen, als ihren Mann anzurufen und ihm zu schildern, was passiert ist. Dieser rät ihr, sofort auszusteigen. Das traut sie sich aber nicht, weil ihr einer der beiden Männer absichtlich den Weg zum Ausgang versperrt und sich provokativ vor sie stellt.

Schließlich wird der Frau doch zu viel und sie lässt ihrer Wut freien Lauf. "Was glaubst du eigentlich, wer du bist, dass du so etwas tun kannst? Denkst du, ich lasse mich von dir verarschen?", fragt sie einen der beiden Männer. Dann wendet sich Esra anderen Fahrgästen, die alles mitverfolgt haben zu und will wissen, wie es möglich ist, dass ihr niemand zu Hilfe kommt. Schweigen. Als sie endlich in ihrer Zielstation ankommt, läuft sie aus der U-Bahn und eilt nach Hause.

Diesen und 155 andere Fälle von antimuslimischen Belästigungen, Hasskriminalität (so genannten Hate Crimes) und Diskriminierungen hat die erst sehr junge Dokumentationsstelle für Muslime in Österreich von Dezember 2014 bis Ende 2015 dokumentiert.

Am Mittwochvormittag wurde im Presseclub Concordia das Ergebnis, der Antimuslimische Rassismus Report 2015, präsentiert. "Wir sind noch am Anfang. Unser oberstes Ziel ist es, das Wir-Gefühl zu stärken und die gesellschaftliche Spaltung zu verhindern", erklärten Hussein al-Rawi, Elif Öztürk und Ümmü Selime Türe in ihrem Eingangsstatement.

Daher sei die Institution, die in Kooperation mit der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen und der Islamischen Glaubensgemeinschaft agiert, auch noch im Aufbau.

"Wir sind die einzige muslimische Stelle, die antimuslimischen Rassismus dokumentiert. Somit füllen wir in diesem Bereich eine wichtige Lücke", sagte Türe.

Besonders wichtig sei ihr die Kooperation mit anderen Institutionen wie Zara (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit). Dennoch sehe sie ihr Projekt als Vertiefung in diesem speziellen Bereich.