Wird angeklagt: Olympiasieger Peter Seisenbacher. - © apa/Fohringer
Wird angeklagt: Olympiasieger Peter Seisenbacher. - © apa/Fohringer

Wien. (sir) Um die sportliche Bedeutung Peter Seisenbachers in Österreich einzuordnen, reicht ein Blick auf die heimische Medaillenbilanz bei Olympischen Sommerspielen. Der Judoka ist einer von nur 18 österreichischen Goldmedaillengewinnern, Seisenbachers Erfolge im Mittelgewicht 1984 sowie 1988 waren erst die Goldenen Nummer vier und fünf nach dem Krieg. Er war zudem Weltmeister, Europameister und gleich dreimal Österreichs Sportler des Jahres - in dieser Hinsicht nur von Hermann Maier geschlagen, der es auf vier solche Auszeichnungen brachte.

Peter Seisenbacher, dessen Leistung und mediale Präsenz von durchaus nachhaltigem Erfolg war und zahlreiche weitere österreichische Medaillengewinne im Judo zeitigte, wird nun wegen des Vorwurfs, zwei Mädchen sexuell missbraucht und dies bei einem weiteren versucht zu haben, am Straflandesgericht Wien anklagt.

"Die beiden Betroffenen waren laut Anklage im jeweiligen Tatzeitraum noch keine 14 Jahre", sagt Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der Missbrauch der mittlerweile Erwachsenen soll sich über Jahre gezogen haben, Seisenbacher war zu jener Zeit, Ende der 1990er, als Judo-Trainer in Wien tätig. Im dritten Fall geht es um den versuchten Missbrauch eines Autoritätsverhältnisses, da sich das Mädchen erfolgreich gegen die Zudringlichkeiten zur Wehr gesetzt haben soll.

Seisenbachers Anwalt Bernhard Lehofer bestätigte, eine Anklage zugestellt bekommen zu haben, weder er noch Seisenbacher selbst würden sich derzeit zu den Vorwürfen äußern. "Erst vor Gericht", sagt Lehofer. Für den zweifachen Olympiasieger gilt die Unschuldsvermutung.

Die Staatsanwaltschaft Wien ermittelte seit Herbst 2013 gegen Seisenbacher. Gerüchte über Naheverhältnisse zu weiblichen, noch unmündigen Schützlingen hatten davor in Judo-Kreisen die Runde gemacht. Die strafrechtlichen Untersuchungen kamen ins Laufen, nachdem Betroffene direkt an die Staatsanwaltschaft herangetreten waren, sie belasten den heute 56-Jährigen dabei teilweise massiv.

Die lange Ermittlungsdauer rührt einerseits auf der mit der Prominenz des Verdächtigen verbundenen Berichtspflichtigkeit der Causa, andererseits aber auch auf der intensiven Prüfung der Glaubwürdigkeit der Betroffenen. Eine der jungen Frauen soll nach dem von ihr behaupteten Missbrauch weiter Kontakt zu Seisenbacher gehalten haben.