Wien. Es ist der Kreislauf des Lebens, der mit dem Tod nicht endet: In der ersten bepflanzbaren Urne der Welt wird die Asche nach einer Feuerbestattung in einer Kammer auf dem Urnenboden versiegelt und eine Pflanze hineingesetzt. Wird diese gegossen, saugt sich der Sandstein, aus dem die Urne besteht, mit Wasser voll - und nimmt dabei die Mineralstoffe auf, die in der Asche enthalten sind. Das mit diesen angereicherte Wasser zirkuliert und hält die Pflanze am Leben. Die Asche selbst löst sich nicht auf, weil sie stets in der Kammer verschlossen bleibt.

Erfunden hat diese Urne der Wiener Martin Steiner, der eigentlich ORF-Journalist ist. Bereits vor etwa vier Jahren sei ihm die Idee dazu gekommen, als er einen Flaschengarten - ein in sich geschlossenes Ökosystem für den Schreibtisch - entwickeln wollte, wie der 41-Jährige der "Wiener Zeitung" erzählt. Irgendwann sei ihm die Idee gekommen, die Biokohle für das Bodensubstrat durch Kremationsasche zu ersetzen. Steiner dachte sein Projekt weiter, bis aus seinem Flaschengarten eine bepflanzbare Urne wurde, die er an der Universität für angewandte Kunst in Wien zur Marktreife brachte.

Heute hat er das Patent auf seine Erfindung, und die Wiener Porzellanmanufaktur Augarten übernimmt seit etwa einem halben Jahr deren Produktion und Vertrieb (www.pantarhei.com). Über die Bestattung Wien habe Steiner in den vergangenen zwei Wochen seine ersten drei Urnen verkauft, sagt er.

Seit 2013 darf man Teil der Asche mit nach Hause nehmen


Auch in der Schweiz und in Holland gebe es bereits Interessenten. Die Idee sei, später einmal individuell bemalte Urnen anzubieten, wie sie Augarten in ihrer herkömmlichen Form - also als unbepflanzte Memorialurnen - bereits seit 2014 im Sortiment hat. Das würde sich aber freilich preislich auswirken, sagt Steiner. Eine unbemalte, weiße bepflanzbare Urne koste 699 Euro.

Dass man Urnen wie diese komplikationslos zuhause aufstellen darf, ist seit 2013 möglich. Seitdem kann man laut Bestattung Wien einen Teil der Asche mitnehmen -und zwar ohne Sondergenehmigung, wie sie bisher nötig war. Diese braucht man nun nur noch dann, wenn man die gesamte Asche mit nach Hause nehmen möchte. Dafür muss man bei der MA40 (Soziales) einen Antrag auf die Errichtung einer Privatbegräbnisstätte stellen, der gebührenpflichtig ist und für den unter anderem die Zustimmung des Vermieters nötig ist.

Grundsätzlich gehe der Trend hin zu Feuerbestattungen, heißt es von der Bestattung Wien. Österreichweit liege deren Anteil bereits bei durchschnittlich 33 Prozent. Ein möglicher Grund dafür sei, dass alternative, naturnahe Formen der Bestattung wie in Urnengärten oder auf Waldfriedhöfen zunähmen.

Auch See- und Flussbestattungen, Baum-, Almwiesen-, Diamant- und Weltraumbestattungen zählen dazu. Bei Ersteren wird die Asche verstreut, bei der Baumbestattung wird sie in einer Urne aus biologisch abbaubarem Material tief bei den Wurzeln eines Baumes begraben. Beim Diamantverfahren wird aus dem Kohlenstoff der Kremationsasche ein Diamant gepresst. Dieser kostet je nach Karat zwischen 3000 und 10.000 Euro. Nach oben hin offen sind die Kosten für eine Weltraumbestattung, bei der für gewöhnlich wenige Gramm Asche bis zu 80.000 Kilometer weit ins All transportiert und verstreut werden.

Die Zahl der Trauerforen
im Internet nimmt zu


Und sogar die allgemeine Digitalisierung hat offenbar den Totenkult erreicht. Die Zahl der Online-Trauerforen nimmt zu, in denen sich Betroffene austauschen, und es werden auch immer mehr virtuelle Kondolenzbücher und Gedenkseiten für Verstorbene eingerichtet.

An der Bedeutung von Beerdigungen habe sich dennoch nichts geändert, sagt Psychologin Elisabeth Schneider. Rituale gäben den Trauernden in einer schwierigen Situation Halt. Im Unterschied zu früher würden heute aber die persönlichen Wünsche viel intensiver einfließen - von den Angehörigen oder vom Verstorbenen selbst.