Wien. Kein Fleisch, kein Alkohol und Sättigung nur einmal am Tag. Das sind die wesentlichen Fastengebote für den Aschermittwoch, den Gläubige der katholischen und der evangelischen Kirche heute begehen. Dass an diesem und in der insgesamt 40-tägigen Fastenzeit bis Ostern mitunter ein deftiger Heringsschmaus aufgetischt wird, ist das eine. Der Lebensstil unserer Wegwerfgesellschaft, die allein in Österreich einer Studie des Ökologie-Instituts zufolge jährlich 760.000 Tonnen Lebensmittel wegwirft, das andere. Die Hälfte davon wäre potenziell vermeidbar.

"Während wir in Österreich durchschnittlich ein Viertel der gekauften Lebensmittel entsorgen, sind weltweit beinahe zwei Milliarden Menschen von Hunger und Mangelernährung betroffen", sagt dazu der evangelische Bischof Michael Bünker, der auch Schirmherr von "Brot für die Welt" ist: ein Hilfswerk der evangelischen Kirchen, der evangelischen Frauenarbeit und der Diakonie Österreich, dessen Projekte Armut und Hunger durch eine nachhaltige kleinbäuerliche Landschaft bekämpfen sollen. Jährlich sterben etwa 8,8 Millionen Menschen am Hunger.

Betrachtet man die gesamte Europäische Union, so werden hier Schätzungen der EU-Kommission zufolge innerhalb eines Jahres etwa 89 Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet. Das entspricht 179 Kilogramm pro Kopf.

Wegwerfverbot in Frankreich


Die Gründe für das Wegwerfen von Lebensmitteln sind vielschichtig. Die einen haben Bedenken wegen des Mindesthaltbarkeitsdatums, die anderen zu viel eingekauft und zu wenig Platz im Kühlschrank.

Dem Ökologie-Institut zufolge beginnt der "Lebensmittelverlust", wie er bezeichnet wird, bereits in der Landwirtschaft und Produktion. Rund 8000 Tonnen jährlich stellten vermeidbare Nachernteverluste dar, heißt es auf Nachfrage vom Umweltministerium.

Beim nächsten Schritt, im Handel, gehen laut Ökologie-Institut 110.000 Tonnen im Jahr verloren. 74.000 Tonnen davon sind Lebensmittelabfälle, der Rest Retourwaren wie Brot und Gebäck. 6600 Tonnen davon werden an soziale Einrichtungen weitergegeben. In Frankreich dürfen unverkaufte Lebensmittel von Supermärkten seit dem Vorjahr überhaupt nicht mehr weggeworfen werden. Große Händler müssen seitdem nicht vermeidbare Essensabfälle spenden, verarbeiten, als Tierfutter verwenden oder kompostieren.

Bei der Außer-Haus-Verpflegung fallen 280.000 Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr an, etwa 175.000 Tonnen davon wären vermeidbar. Und schließlich landen 276.000 Tonnen im Restmüll, von denen 157.000 Tonnen als vermeidbar gelten. Selbst die Hälfte der Lebensmittel in den Biotonnen (insgesamt 90.700 Tonnen) wäre eigentlich genießbar.

Pickt man sich den vermeidbaren Nahrungsmüll der Haushalte aus Restmüll- und Biotonne heraus (etwa 200.000 Tonnen), so bemesse sich dieser Wert auf 1,3 Milliarden Euro im Jahr, sagt Bischof Bünker. "Damit könnte ,Brot für die Welt‘ in afrikanischen Ländern 92 Millionen Familien mit dürreresistentem Saatgut versorgen."

Der verschwenderische Umgang mit Essen habe zudem "katastrophale ökologische Folgen, die wir an unsere künftigen Generationen weitergeben", so Bünker. Würden alle Menschen so leben wie jene in Österreich, bräuchte man drei Erden. Den Weg in eine nachhaltige Zukunft könnten die Entwicklungsziele der Vereinten Nationen weisen, die im September 2015 in Österreich in Kraft getreten sind und unter anderem ein nachhaltiges Management natürlicher Ressourcen zum Ziel haben.

Zeichen der Vergänglichkeit


Ändert sich nichts am verschwenderischen Umgang mit diesen, so wird einem wohl früher oder später die Vergänglichkeit eines jeden Ökosystems vor Augen geführt. Genauso wie am Aschermittwoch: Das Kreuz, das aus der Asche der geweihten Palmkätzchen des Vorjahres auf die Stirn gezeichnet wird, ist ein Zeichen der Vergänglichkeit des Lebens.